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~*=4=ö> VON AUSSTELLUNGEN UND SAMMLUNGEN <^=^
MAX SLEVOGT
von denen jedes für
sich ausgezeichnet genannt
zu werden verdient
; sieht man sie
aber einmal, wie hier
beieinander, so bemerkt
man, daß der
Künstler gar keine Direktion
, kein Ziel hat,
daß er bald von diesem,
bald von jenem Künstler
angeregt ist, bald
sich im Sinne Rem-
brandts, bald in dem
von Manet betätigt
und keine Entwicklung
durchgemacht
hat. Die Bilder seiner
Ausstellung könnten
von sechs verschiedenen
Malern herrühren
. Das macht vielleicht
die Wände amüsant
, aber zur Empfehlung
des Künstlers
dient solche Wandlungsfähigkeit
nicht.
Hierüber darf man
Bedauern empfinden;
denn Blocks Begabung
für Malerei ist
nichts weniger als
mäßig. Es sind hier
einige frühe Stilleben
von ihm zu sehen,
japanische Bibelots
darstellend, wie sie
Alfred Stevens in
seiner besten Zeit nicht delikater gemalt hat, und
ein paar kleine Halbakte, ein junger Italiener gegen
Grau, eine Odaliske auf einem blauen Kissen, die
an Charme der Zeichnung und des Tons recht
hohe Ansprüche befriedigen. Und aus diesem Jahr
stammt das Bild einer nackt auf einem Eisbärenfell
vor einem Spiegel sitzenden, dem Beschauer den
Rücken zuwendenden Schönen, das an heller und
doch toniger Malerei und solidem Studium alles
übertrifft, was die junge Berliner Manet-Schule in
dieser Art zu leisten vermag. Wie der zarte Ton
des jungen Fleisches gegen einen grüngrauen Vorhang
im Hintergrunde steht — das ist äußerst delikat
gesehen. In dem gleichen Sinne ist das Bild
einer jungen Dame in einem lichtgrünen japanischen
Kostüme gegen Grau zu rühmen. Wie fatal berührt
jedoch neben solchen Leistungen dieNovellenmalerei
Blocks nach Motiven aus der modernen Gesellschaft.
Und wie wenig stimmen zu jenen gutgesehenen
Darstellungen, die in Anlehnung an van Dyck oder
Rembrandt oder Piglhein oder Delaroche oder Rops
gemalten Bilder mit biblischen Motiven: >Die Grablegung
«, »David und Saul«, »Christus und das Weib
aus Samaria«, »Judith« und »Die Versuchung«!
Ganz abgesehen von dem Mangel an geistiger Bewältigung
des Stoffes. Viel Gutes findet man unter
Blocks Porträts, obgleich des Künstlers Psychologie
nicht gerade sehr tiefgründig ist. Aber er weiß
seinen Bildnissen in der Regel eine anziehende
künstlerische Pointe zu geben, sei es, daß er eine
Lichtidee zum Ausdruck bringt, wie in dem Bildnis
einer in einem halbdunklen Vorzimmer im Straßenkostüm
sitzenden Dame, sei es, daß er etwas koloristisch
Reizvolles gibt, wie in dem kleinen Bilde
einer Dame, die eine blaue Vase betrachtet. Ein
TÄNZERIN
Selbstbildnis verrät
noch seineZugehörig-
keit zur Münchner
Schule. Gute Qualitäten
besitzt das Porträt
eines Landgerichtsrats
R., und auch
den Bildnissen einiger
Herren aus der
Berliner haute finance
fehlen solche nicht.
Was man an Block im
ganzen vermißt, ist
die Unternehmungslust
, die Courage. Mit
seinen künstlerischen
Mitteln dürfte er schon
etwas riskieren. Er
bleibt aber immer vorsichtig
in den von
anderen geschaffenen
Konventionen, wird
deshalb mit diesen anderen
verglichen und
kommtauf solche Weise
um die Anerkennung
, auf die er Anspruch
hätte, wenn er
entschlossen eigene
Wege ginge. Eine kleine
Kollektion von Bildern
Otto H. Engels
bietet keine Veranlassung
, Neues über diesen
sympathischen
Künstler zu sagen.
Richard Eschke,
der Landschaften und
Figurenbilder ausstellt, zeigt in diesen ein erfreuliches
Streben nach Vervollkommnung seiner Fähigkeiten
, ist jedoch noch zu unpersönlich, um
ernstlich zu interessieren. A. von Brandis malt
weiter Interieurs, wird aber immer schwerer und
materieller in der Farbe, was der Wirkung seiner
Bilder natürlich Abbruch tut. Von seinen Danziger
Interieurs ist das aus dem Uphagenschen Hause
wohl das gelungenste. Das merkwürdigste Stück
in dieser Ausstellung ist eine große Leinwand von
Adolf Menzel, ein Bussard, der in wolkiger Höhe
auf eine Taube stößt. Das Bild ist 1843 gemalt
als Schießscheibe für eine Schützengesellschaft. In
der Gedächtnisausstellung für den verstorbenen
Meister in der Nationalgalerie zeigte es noch die
Kugelspuren. Jetzt ist es ausgebessert und kann
als klassischer Beweis dafür dienen, daß Menzel
selbst solche Nebenarbeiten mit der größten Gewissenhaftigkeit
ausführte. Wundervoll ist die blaue,
leichtbewölkte Luft gemalt und der kreischend
auf die nach unten strebende Taube sich stürzende
Raubvogel prachtvoll beobachtet und wiedergegeben.
In dem Bildhauer Walther Schmarje lernt man
eine nicht gerade überwältigende, aber doch sehr
annehmbare Begabung kennen, deren größter Mangel
in einem Schwanken zwischen Naturalismus und
Stil besteht. Ansätze zu einem solchen findet man
in einer Porträtherme und einer Kleinbronze, einen
nackten Piastrella-Spieler darstellend. Sinn für Form
verrät die nicht üble Wachsbüste einer jungen Frau;
in einer bemalten Kinderbüste jedoch zeigt sich ein
so einseitiger Naturalismus, daß die Kunst dabei
entschieden zu kurz kommt.
In Ed. Schuttes Kunstsalon läßt sich wieder
einmal Hubert Herkomer mit einigen älteren
Die Kunst für Alle XXI.
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