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-^£> FÜNFUNDSIEBZIG JAHRE BELGISCHER MALEREI <^-^
gewesen. Sie sind gründlich tot und werden
nicht wieder auferstehen. Nur eine Ausnahme
ist gemacht worden mit Gallaits
„Brüsseler Schützengilde an den Leichen
Egmonts und Hoorns" — und zwar mit
vollem Rechte. Man kann dieses Werk, das
sonst im Museum zu Tournai hängt, als das
beste historische Gemälde der ganzen Zeit
bezeichnen. Es hat etwas Theatralisches,
aber solchen Leichenparaden haftet auch im
Leben meist etwas Gestelltes, Zurechtgemachtes
an; es besitzt leere und unangenehme
Stellen, aber das Paradebett mit dem
silbernen Kruzifix auf der schwarzen Decke
und den von dem weißen Linnen sich abhebenden
bleichen Köpfen ist ein ganz außerordentliches
und packendes Stück Malerei.
Die Vorführung der dritten Generation wiederum
wurde dadurch beschränkt, daß man
im allgemeinen nur Werke toter Künstler
bringen wollte, während man die der lebenden
der Lütticher Ausstellung moderner Kunst
überließ. So zeigte die Brüsseler im wesentlichen
Werke aus den sechziger, siebziger
und achtziger Jahren, aber diese, die man
bei uns so gut wie gar nicht kennt, in
größter Vollständigkeit und vortrefflicher Auswahl
. Auf sie wollen wir uns im wesentlichen
beschränken und auch hier, um den
Leser nicht durch eine Fülle von Namen zu
verwirren, nur die Silhouetten der wichtigsten
Persönlichkeiten mit wenigen Strichen
zeichnen.
Der Ehrensaal war dem Baron Henri Leys
eingeräumt, in dem die Belgier ihren besten
modernen Maler verehren. Leys ist nur wenig
jünger als Wappers und Gallait, aber seine
Hauptwerke zeigen doch einen ganz anderen
Geist als die ihren. Im selben Jahre wie
Menzel geboren, bietet er ein Gegenstück zu
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streit im wirtshaus
charles de groux (1825—1870)
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