Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 13. Band.1906
Seite: 152
(PDF, 172 MB)
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-*=4^> FÜNFUNDSIEBZIG JAHRE BELGISCHER MALEREI <^Mp-

tution, dieser war ein kränklicher Mann, der
alle Leiden des Volkes aufs tiefste mitfühlte.
Als Maler des sozialen Elends hat ihn die
Kunstgeschichte seit langem etikettiert, und
als solchen bestätigte ihn auch die jetzige
Ausstellung. Trotzdem wurde das Bild, das die
Besucher des Brüsseler modernen Museums
von ihm gewinnen, nicht unwesentlich verändert
. Macht sich in den dortigen Bildern
aus seiner Frühzeit ein schneidender Naturalismus
geltend, so zeigt sich in dem von
uns abgebildeten „Trunkenbold" (Abb. S. 152)
eine viel mildere Auffassung und zugleich
ein eigentümliches Suchen nach Stil. Die
Frau mit dem Säugling rechts hat etwas von
einer Schicksalsgöttin, über die jugendliche
Gestalt, die den Vater an der Schulter berührt
, ist ein Schimmer rührender Schönheit
gegossen, und selbst der zweite Mann zeigt
mehr wehmütiges Bedauern als Zorn. Ja in
einigen Bildern, wie der „Barmherzigkeit",
wird er geradezu rührselig. Wüßten wir
auch nicht, daß er längere Zeit in Düsseldorf

gearbeitet, so würden wir Düsseldorfer Einflüsse
hier sofort wahrnehmen, und diese
Einflüsse sind fast keinem fremden Künstler
günstig gewesen. Aber den Enttäuschungen
stehen auch angenehme Ueberraschungen
gegenüber. In dem „Streit im Wirtshaus"
(Abb. S. 149) hat de Groux eine Keckheit
entfaltet, die fast an Daumiers wilden Humor
erinnert, und in dem „Viatikum" (Abb. S. 154)
herrscht eine Feinheit der Farbenstimmung,
zumal in der Art, wie sich die weiße Stola
aus dem Regen heraushebt, die man dem
Künstler nicht zugetraut hätte.

Henri de Braekeleer, dessen 44 Werke
vielleicht die schönste Ueberraschung bildeten
und zugleich die dauerndste Anziehungskraft
ausübten, nimmt eine eigentümliche Zwischenstellung
zwischen Leys und den modernen
Malern des Lebens ein. Er entlehnte die
Figuren seiner Interieurs nicht früheren
Jahrhunderten, sondern seiner Umgebung,
aber er setzte sie gern in die historischen
Säle der Stadt Antwerpen; malte er sie in

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