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■^4^> VON AUSSTELLUNGEN UND SAMMLUNGEN
isidore verheyden
und — hors concours - Menzel mit besonders
schönen Arbeiten vertreten sind. In Martini, der
mit leichter und großer Treffsicherheit Porträts und
Straßenscenen zeichnet, erblüht der Illustration, wie
es scheint, ein neues Talent.
Bei Ed. Schulte sind Kollektionen von Brandenburg
, Levier, Hans Unger, Hans von Volkmann und
Charles Vetter. Soviel man auch an Martin Brandenburg
aussetzen kann, besonders an seiner Tendenz
, Dinge zu gestalten, die jenseits der
Grenzen des durch die Malerei Darstellbaren
liegen — er hinterläßt mit seinen Schöpfungen
wenigstens immer den Eindruck eines ernsthaften
, selbständigen und hochstrebenden
Künstlers, dessen phantastische Stimmung
nicht angenommen, sondern ein Grundzug
seines Wesens ist. Was er zu geben hat, kommt
hier am glücklichsten in seinen Kohlezeichnungen
heraus, von denen »Im Gebiet des
Todes«, »Die Erinnerungen«, »Die zwingende
Macht« und »Sisyphus« erwähnt seien. Seine
Bilder wirken eigentlich nur dann gut, wenn
das Phantastische darin an zweiter Stelle steht
wie in seinem »Hohen Lied« —Sonnenaufgang
über dem feierlich ruhigen, weiten Meer — bei
dem die Erscheinung des die Herrlichkeit der
Welt preisenden Lichtgottes in der glühenden
Sonnenscheibe kaum stört, oder wie in der
»Waldesstille« mit dem nackten, sich an einem
Ast schwingenden und laut ins Tal rufenden
Menschen. Ganz nahe der Lösung des Zwiespalts
ist Brandenburg in dem »Erwachen der
Träume«, die man aus einem dunklen Schlünde
zu den von Abendlicht verklärten Gipfeln aufsteigen
sieht. Hier möchte man jedoch mehr
Größe und Wucht wünschen. Daß der Künstler
eifrig bemüht ist, der Natur immer näher
zu kommen und sich an ihr zu stärken, sieht
man an einer Reihe ganz ausgezeichneter
Landschaftsstudien, unter denen »Die Buche«,
»Der Abend« und »Regen« wohl die bemerkenswertesten
sind. Wie viel Echtes und Ehrliches
an Brandenburg ist, ergibt sich aus dem
hier möglichen Vergleich mit Hans Unger,
dessen verschiedene idealisierte Frauenköpfe
und dessen weiblicher Akt am Strande eines
südlichen Meeres eine bedenkliche
Abhängigkeit
von ähnlichen Schöpfungen
Böcklins und Klingers
erkennen lassen.
Unger ist gewiß nicht
unbegabt, aber ihm fehlt
jede Spur von eigener
Anschauung. Er operiert
nicht nur mit überlieferten
Formen und Typen,
sondern auch mit den
Fehlern und den malerischen
Konventionen seiner
Vorbilder. Hans von
Volkmann bleibt bei
seiner Vorliebe für eintönige
und zuweilen direkt
öde Motive, ist aber, wenn
sich seine etwas spröde
Stimmung mit jener in
der Natur deckt, wie hier
in dem »Frühling am
Bach« und »Heidebach«
gelegentlich sehr fein.
Von seinen größeren Bildern
»Wogende Saaten«
und »Eifellandschaft« hat man zwar den Eindruck
großer Wahrheit, aber auch den der Eintönigkeit.
Charles Vetter fährt fort, die Reize des modernen
Straßenbildes zu entdecken, und kommt in
Schöpfungen wie »Abend am Karlstor in München«,
»Karlsplatz im Regen« und »Die Kaufingerstraße im
Schnee« nicht nur zu sehr aparten farbigen Effekten,
sondern auch zu einer guten Art von Malerei. Dagegen
läßt sich der talentierte Adolfo LevIer zu
bildnis constantin meuniers
alfred verhaeren
interieur
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