http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_13_1906/0238
^4sö> VON AUSSTELLUNGEN UND SAMMLUNGEN <^=v~
sehr an rein äußerlichen
Wirkungen genügen. Seine
Bildnisse frappieren wie Plakate
, aber sie vertragen
durchaus nicht eine eingehende
Betrachtung. Der
Künstler ist der Berliner
Heilemann ins Münchnerische
übersetzt. Seine Vorbilder
sind Knirr, Caro-Del-
vaille, Gandara. Er malt die
Menschen meist ihrer schönen
Kleider wegen und leistet
sich sehr selten das Vergnügen
, sie selbst zu schildern
. Er macht Oberflächenkunst
im weitesten Sinne.
Was er vermag, wenn er
sich zusammennimmt, sieht
man an dem Bildnis des
Ritters Mondini, Schwarz
vor Grau, das an Charakteristik
Leviers sonstige Leistungen
erheblich überragt.
Nach langer Pause stellt
Bertha Wegmann wieder
einige Arbeiten aus, unter
denen ein Bild »Hochsommer
« — eine kräftige Bäuerin
reicht, im Korn sitzend, ihren
Zwillingen die Brust — ein
Damenporträt und einige
Blumenstilleben aufs beste
ihre nicht geringe Künstlerschaft
bezeugen.
Im Künstlerhause herrscht
milde Weihnachtsstimmung,
d. h. die Verkäuflichkeit der
ausgestellten Dinge ist meist
deren künstlerischem Wert überlegen. Aus der
Masse des Gleichgültigen ragen ein schönes Bild
von K. Leipold, »Elbdeich bei Hollerwettern« und
Landschaften von Kayser - Eichsberg , F. Dou-
zette, F. Geyer, Hamacher und dem vor der Natur
ganz geschmackvoll arbeitenden C. Röchling hervor
. Die von Wandschneider ausgestellten Plastiken
, der lebensgroße nackte »Sieger« und ein
paar Porträtbüsten wirken ziemlich leer. Im Salon
Mathilde Rabl entzückt ein ebenso breit wie intim
gemaltes Aquarell Menzels von 1853, das Innere
der Klosterkirche Riddagshausen bei Braunschweig
mit allerlei Menschen darstellend, durch seine außerordentlichen
Qualitäten.
Der Salon Paul Cassirer bringt eine Sammlung
von Arbeiten des Karlsruhers W. Conz. Die Landschaften
des Künstlers haben bei aller zarten Empfindung
etwas Gleichgültiges und Flaues und gewinnen
dadurch nicht, daß sie an Thomas Schöpfungen
erinnern, weil hinter diesen doch eine stärkere
Persönlichkeit und ein begabterer Maler steht. Sehr
viel Schönes und Feines bietet Conz in Radierungen
und Holzschnitten, in denen er sich auch durchaus
selbständig erweist. Lfistikow zeigt die künstlerische
Ernte des letzten Sommers. Man kann über
seine Bilder schwer etwas Neues sagen. Sie zeigen
ihn aber aufs Erfreulichste im Besitze aller seiner
Vorzüge. Eine neue Kollektion von Schöpfungen
Vincent van Goghs enthält einige von dessen
berühmtesten Werken: Das seltsam ornamentale
»Grüne Korn«, den »Viadukt von Arles«, den »Baumstumpf
«, den Garten mit den blühenden »Rosen«,
das »Hospital« und das »Porträt eines Jünglings«.
Robert Breyer läßt mehrere neue Stilleben sehen
FERNAND KHNOPFF
— »Frühstückstisch«, »Likörflaschen
« — die ihm als
Maler und Koloristen die
größte Ehre machen. Eine
Anzahl von Farbenstiftzeich-
nungen, meist Familienszenen
und Interieurs darstellend
, bezeugen das anmutige
Talent Gustava Hägers.
Der Salon Keller & Reiner
bringt ebenfalls verschiedene
Kollektionen. Die besten
Leistungen hat Hans
Busse in seinen Schilderungen
vom Gestade des
Mittelmeeres aufzuweisen.
Indessen verdienen seine
Studien, in denen Glanz und
Farbe der südlichen Natur
oft sehr glücklich getroffen
sind, entschieden den Vorzug
vor seinen viel zu viel
Details enthaltenden und
daher meist unruhigen und
zusammenhangslosen, ausserdem
aber ziemlich süßlichen
Bildern. Die märkischen
Landschaften von
Theodor Johannsen erinnern
in ihrer dekorativen
Haltung an die Bilder seines
älteren Kollegen Hagemeister
, leiden aber an einer unerfreulich
kalten und unlebendigen
Farbengebung. Der
Landschafter Julius Went-
scher verliert sich, wie seine
hier ausgestellte Sammlung
bezeugt, immer mehr ins
Philiströse. Unter den farbigen Radierungen Alexander
Liebmanns findet man einige ausgezeichnete
Landschaften, in denen die Prinzipien der
Dachauer Schule und besonders die Ludwig Dills
eine sehr reizvolle Abwandlung erfahren haben. Die
von Stanislaus Cauer ausgestellten Plastiken, ein
bronzener, sich die Stirnbinde umlegender Jüngling,
das Marmorrelief einer Kauernden sind gewiß sehr
anständige, aber auch sehr uninteressante Arbeiten.
Uninteressant darum, weil man des Künstlers Auge
viel mehr auf die Antike als auf das Leben gerichtet
sieht, und er daher nichts produziert, was nicht schon
hundertfach vorhanden wäre. Warum soll man einen
Bildhauer, der nichts Eigenes zu sagen hat, höher
stellen als einen Maler, der sich seine Anschauung
aus den Bildern der anderen zusammenzusehen
pflegt? Hans Rosenhagen
YW1EN. Künstlerhaus. Die alljährliche Herbst-Aus-
Stellung ist nun eröffnet. Sie bedeutet inso-
ferne einen Fortschritt oder vielmehr ein Verlassen
der ausgefahrenen Geleise, als die Hängeart endlich
eine lichtere geworden ist. Infolgedessen
konnte einzelnen Mitgliedern Wandplätze zu Gesamtkollektionen
eingeräumt werden, so daß das
wüste Durcheinander, gleich quälend für Künstler
wie für Publikum, endlich einer klaren Uebersicht
weicht. Künstlerisch ist wohl kein starker Accent zu
verzeichnen. Der Jungbund, welcher bisher kollektiv
im Künstlerhause vertreten war, ist ausgeschieden
und hat dem Hagenbund sich angeschlossen. Daher
fehlt eigentlich die einzige lebhaftere moderne
Geistesbeweglichkeit verratende Note. Hie und da
erfreut jedoch das sichtbare Streben einzelner
BILDNIS
188
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_13_1906/0238