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-^£> VON AUSSTELLUNGEN UND SAMMLUNGEN <^-*~
adolf hildebrand
portratbüste
gezeichneten Typen aus dem oberhessischen Bauernvolk
. Gute Vertrautheit mit der Eigenart des malerisch
noch so wenig ausgebeuteten Odenwaldes
zeigte die Sammlung bemerkenswert frisch erfaßter
Landschaften, die Max Rossmann bei Schneider
ausstellte. Hermes brachte neue Bilder von Adolf
Hengeler, Landschaften in duftig weichen Tönen
und einige seiner humorvoll romantischen Figurenbilder
, die alle durch eine leise Beimischung von
Biedermeiertum so etwas vertraut Behagliches bekommen
. In dem Brüsseler Landschafter Emile
Claus lernte man den gefeierten belgischen Plei-
nairisten und Führer des Impressionismus kennen,
doch war seine Kollektion von einer gewissen Eintönigkeit
der Wirkung nicht frei. Dall'Oca-Bianca
bewies in einer Anzahl meist bekannter Bilder seine
geschickte Fertigkeit, aus einem bunten Farbengemenge
wirkungsvolle Figurengruppen herauszuheben.
Am interessantesten war aber bei Hermes entschieden
eine Anzahl kleiner Bronzen von Victor
Rousseau in Antwerpen. Die kompakte strenge
Behandlung der Modellierung ergibt bei seinen
meisterlichen Arbeiten immer eine Wirkung voll
prachtvoller Kraft. Diese wird seltsam gesteigert
durch die von ihm stets geübte Betonung des formalen
Rhythmus, die er durch eine energische ausladende
Biegung der Körper erzielt. -r.
M
ÜNCHEN. In der Glyptothek ist seit einiger
Zeit die vom bayerischen Staate erworbene Marmorbüste
von Adolf Hildebrand aufgestellt; ein
herrlicher weiblicher Kopf mit lang über die Brust
herabwallendem Haar (s. obenstehende Abbildung).
Ihr Standort, zwischen der Vesta von Tenerani und
dem Adonis von Thorwaldsen, gibt zu einem anregenden
Vergleiche Anlaß. Als diese beiden, einst
so hochgeschätzten Marmorbilder entstanden, glaubte
man das Höchste an plastischer Kunst zu haben,
etwas der Antike Nahestehendes. Welcher Irrtum!
Wie wenig enthält dieser Marmor von dem an der
homerischen Sonne erblühten Leben. Kalt und leblos
starren uns diese Marmorbilder an — Klassizismus
auf dem Gefrierpunkt. Wie ganz anders
mutet uns dagegen diese Hildebrandsche Büste an.
Ein merkwürdiges kluges Gesicht, anscheinend still
und ruhig im Ausdruck, aber doch voll verhaltenem
innerem Leben, das in den Augen zu leuchten und
um den Mund zu zucken scheint. Der von seitlich
einfallendem Lichte beleuchtete, teilweise durchscheinende
Marmor hat einen besonderen Reiz, wie
Lionardos Sfumato webt und schwebt es um dieses
Gesicht, um diese weichen Haare. Diese Geschlossenheit
, Einheitlichkeit und Konzentration des Ausdruckes
ist höchste Kunstleistung eines unserer
größten Repräsentanten der Plastik unserer Zeit.
a. h.
CTUTTGART. Württembergischer Kunstverein. Im
^ Kunstverein sind der hier schon besprochenen
Gruppe des Cronberger Künstlerbundes die
vHolländer<L und die »Düsseldorfer« gefolgt. Erstere,
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