Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 13. Band.1906
Seite: 211
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-^^> VON AUSSTELLUNGEN UND SAMMLUNGEN <^=^

die Eigenheit ihrer Gestalt und ihres Gefieders ist
bewunderungswürdig herausgebracht — auch das
bewegte und schäumende Wasser ist mit einer Wahrheit
und Schönheit gegeben, die nicht hoch genug
gepriesen werden können. Von fast unheimlicher
Lebenswahrheit ist ferner ein Fuchs, der eine Ente
im Maul, flink durch die grüne Wirrnis eines Mo-
rasts läuft. Die glänzendste Naturbeobachtung offenbart
sich dann in einem in Tannenzweigen sitzenden
Birkhuhn, ferner in ein paar Bracken, die witternd auf
einer herbstlichen Wiese herumlaufen und bei einer
Schnepfe, die im Moor
spaziert. Als Malerei
wird man allerdings
eine nebenbei ausgestellte
»Schnepfe« von
1892 vorziehen. Von den
größeren Bildern verdient
jenes hervorgehoben
zu werden, das
auf einer Höhe zwei
Adler zeigt, die einen
Hasen erwischt haben
und verzehren wollen.
Besonders der sich langsam
von oben zu seinem
Gefährten niederlassende
Raubvogel ist in der
Bewegung meisterhaft
geschildert. Weniger gut
sind zwei auf einer
Schneefläche um die
Beute streitende Adler
dem Künstler gelungen,
obschon ihm auch dieses
Bild kein anderer europäischer
Tiermaler nachmalen
möchte. — Recht
wenig imposant führt
sich eine neue Münchener
Künstlergruppe
>Die Wanderer'< ein. Keines
von den Mitgliedern
ist ein Temperament oder
auch nur eine starke
Persönlichkeit. Alle bedienen
sich des Guten
anderer, ohne diese Vorbilder
in Wirklichkeit zu
erreichen, geschweige
denn zu übertreffen. Am
meisten Eigenes hat noch
Manuel Wielandt zu
sagen, der in seinem
»Tempo sciroccoso« ganz
ausgezeichnet die lästige
Schwüle der Luft und
die Lauheit des Meeres
in den Lagunen Venedigs
während des erschlaffenden
Südwindes geschildert
hat, obschon seiner Schilderung etwas Großzügigkeit
fehlt. Hinter seiner Leistung steckt wenigstens
ein scharf beobachtender und sorgsam arbeitender
Mensch, während Franz Hoch und Hermann
Urban in ihren Landschaften eine recht grobe
Rezept- und Effektmalerei betreiben, die stellenweise
unerträglich wirkt. Auch Raoul Frank läßt man
sich schließlich gefallen. In seinen Landschaften
ist ein gewisser Ernst, nur sind sie zu weiträumig,
um nicht langweilige Stellen zu haben. Fritz Kunz
und Hans Lietzmann greifen nach den Kränzen
Stucks und Klingers, ohne soviel Zeit und Mühe

auf das Studium der menschlichen: Gestalt gewendet
zu haben wie diese Meister. Mit einem Worte:
Die neue Ausstellergruppe ist eine von jenen vielen,
für deren Dasein weder innere noch äußere Gründe
von dem Fernerstehenden zu finden sind. — Eine
rechte Enttäuschung erlebt man in dieser Ausstellung
leider auch an Eugen Kampf, dem sonst so
geschätzten Landschafter. Seine neuen Arbeiten
zeigen eine auffallend stumpfe, unlebendige Farben-
gebung. Selbst wenn er Sonnenschein malt, kommt
kein Leuchten von seinen Bildern, deren geschickt

gewählte Motive freilich
den erfahrenen Künstler
verraten. Der Norweger
Thorolf Holm-
boe zeigt Bilder aus
seiner Heimat, bei denen
zuweilen eine etwas gewaltsame
Farbigkeit stört.
Einige davon jedoch, wie
der ?Eidervogel« auf
blauem Meer und »Mein
Haus« im Winter mit vortrefflich
gemaltemSchnee
sind ein wandsfrei gut und
erwecken durch ihresym-
pathische Frische eine
vorteilhafte Meinung von
dem Künstler. Mehrere
in einem eigenen Raum in
besonderer dekorativer
Umrahmung vorgeführte
Gemälde und Aquarelle
Willy Stoewers — Ergebnisse
einer im vergangenen
Frühjahr an
Bord der »Hohenzollern«
absolvierten Mittelmeerreise
— dürften nur von
einem sehr anspruchslosen
Geschmack als
Aeußerungen der Kunst
angesprochen werden.

Hans Rosenhagen

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JULIUS PAUL JUNGHANNS

DREMEN. Für die
Sammlungen der
Kunsthalle wurden in
letzter Zeit eine Reihe
von wertvollen Kunstwerken
erworben. In
erster Linie verdienen
zwei Marinen von Gustave
Courbet genannt
zu werden. Eine
kühn in dunklen Tönen
hingeworfene Studie zu
dem berühmten Gemälde
der Woge im Louvre
wurde angekauft; als
erwünschtes Gegenstück
hierzu wurde das sorgfältiger ausgeführte Bild
einer stürmischen See von einigen Kunstfreunden
geschenkt. Der Galerieverein überwies der Sammlung
ein charakteristisches Gemälde von Toni
Stadler »Alpenvorland«, das auf der diesjährigen
Künstlerbundausstellung in Berlin erworben war,
sowie das von der Münchner Ausstellung her
bekannte Bildnis eines Kindes (Johanna) von L.
v. Zumbusch. Ferner wurde von Bernhard
Winter, dem eigenartigen Oldenburger Sitten-
schilderer, das umfangreiche, von mehreren Ausstellungen
her bekannte Gemälde einer Bauern-

BAUERNKIRTA 1903

211

27 <


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