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gauklertag 1905
DUDAPEST. Im Nemzeti- Salon wurde die Serie
der Herbstausstellungen mit einer Kollektivausstellung
des a. Fenyes eröffnet. Die intransigente
Malweise — das Charakteristiken der Individualität
FßNYEs' — gelangte zum rückhaltlosen Ausdruck
und brachte seine Entwicklung glänzend zur Geltung.
Nach den Lehrjahren, die er in Weimar, Paris verbrachte
, kam er in Benczurs Meisterschule und
nachdem er die dort gewonnenen Eindrücke überwand
, wurde er ein grandioser Arme-Leutmaler.
Großer Ausdruck charakterisiert seine dunkel gehaltenen
, breit und kräftig gemalten Gemälde. Allmählich
gewannen seine Farben Feuer, so daß er
sich in seinen neuesten Schöpfungen als brillanter
Luminist zeigt. — Im Künstlerhaus wurde die Winterausstellung
eröffnet. Mit Ausnahme weniger Stücke
ersten Ranges und einiger, welche für die jüngeren
Künstlerkreise zu guten Hoffnungen berechtigen,
ist das Gros der ausgestellten Objekte mittelmäßig,
wenn nicht gar unter diesem Niveau, weil die Jury
sehr nachsichtig war. Eines der interessantesten
Stücke ist der >Atelier-Winkel« St. Csok's, ein gut
gesehenes und harmonisch gestimmtes Gemälde.
L. Mark zeichnet sich nicht nur mit einem feinen
Akt, sondern auch durch einige Porträts aus. Ein
Pleinair und ein Männerporträt K. Ferenczy's sind
zu den wenigen vornehmeren Stücken dieser Ausstellung
zu zählen. Zu dieser reihen sich ein diskretes
Interieur Fritz Strobentz', ein sonniger
Tannenwald Viktor Olgyay's, einige schöne Landschaften
Baron Mednyansky's, ein fein abgetöntes,
interessantes Frauenporträt F. Szenes', ein kräftig
gehaltenes Bild Tivadar Zemplenyi's, eine vortreffliche
Impression I. Ujvary's, und einige Porträts
St. Reti's. Von den jüngeren Malern sind die Werke
Nyilassy's, Tornyai's, Herrer's, Vestroczy's,
Kemendi's, Por's, Benkhardt's, Gulacsy's erwähnenswert
. Das hervorragendste Stück der ausgestellten
Skulpturen ist Simai's „Affenfamilie".
Dr. b. l.
DASEL. Daß sich von größeren Genossenschaften,
welche regelmäßige Ausstellungen veranstalten,
Sezessionen abspalten, ist eine der Tatsachen, auf
welcher das »Kunstleben« beruht, d. h. das, was man
so im Publikum Kunstleben nennt, also etwas rein
Aeußerliches; das wirkliche Kunstleben, das aus
psychologisch außerordentlich schwer analysierbaren
Seelenvorgängen besteht, kommt der Masse wohl
kaum je als Ahnung zum Bewußtsein. — Aber,
was ich sagen wollte: Auch in der Schweiz gibt es
jetzt »Kunstleben« im erstgenannten Sinne. Bis
jetzt bestanden dort zwei größere Kunstausstellungs
-Unternehmungen: der offizielle »Schweizerische
Salon« (»Nationale schweizerische Kunstausstellung«)
und der vom »Schweiz. Kunstvereint alljährlich arrangierte
»Turnus«. Nun ist ein drittes hinzugekommen
: Die ^Gesellschaft schweizerischer Maler,
Bildhauer und Architekten* hat sich entschlossen,
ebenfalls Ausstellungen zu veranstalten. Das ist
ganz ohne Krieg vor sich gegangen. Im Oktober
vorigen Jahres beherbergte die Basler Kunsthalle
über 300 Werke, welche zu dieser ersten Ausstellung
geliefert worden waren. Der Katalog war
nach Sektionen geordnet (solche gibt es auch in
Paris und München) und wies wirklich auf eine
stattliche Anzahl von Bildern und Skulpturen hin,
wie sie in gleicher Qualität der »Turnus« selten zu
bieten hatte. Aus Aargau gab Max Burgmeier
originell aufgefaßte Jura-Landschaften. Unter den
Baslern ragten B. Mangold mit einer »Gänseherde
« und F. Schider mit prächtig frischen und
natürlichen Stilleben hervor; Hans Frei gab fein
empfundene Medaillen. Aus Bern war als Hauptmaler
Ferd. Hodler da; er zeigte sein linien- und
formenklares fresko-ähnliches Bild »Empfindung«
und zwei strahlende Seelandschaften, von denen die
eine fürs Basler Museum angekauft wurde. Unter
den Hodler-Schülern ragte Ed. Boss hervor, dessen
»Heißer Tag« in Figur und Landschaft von gehaltener
Kraft strotzte. Eigene Wege geht Max Buri;
aber an seinem Bilde »Bergmusikanten« hat
sicherlich Hodler seine besondere Freude gehabt.
Unter den Genfer Bildern sehen wir interessante,
in Linien und Stimmung delikat nervöse Versailler
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