Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 13. Band.1906
Seite: 217
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_13_1906/0277
HUGO VON HABERMANN

Von Fritz v. Ostini

Habermann ist ein Künstler - Aristokrat
und das ganz unabhängig von dem Zufall
der Geburt, der ihm die Freiherrnkrone über
das Wappen gesetzt hat. Auf den pocht er
weiter nicht. In der Kunst aber geht er der
breiten Menge, der schauenden wie der
schaffenden, in echter Aristokratenweise aus
dem Weg nicht mit Hochmut, aber mit
Stolz, der Majestät des Schönen dient er mit
jener bedingungslosen Ritterlichkeit, für die
sich das Beste und Vornehmste immer von
selbst versteht. Und das ist wahrer Aristokratismus
. Er hat jetzt, nicht mehr allzuweit
von den Sechzig weg, auch an äußerlichen
Ehren alles Mögliche erreicht, aber auf die
Entwicklung von Habermanns Individualität
haben diese Möglichkeiten nicht den leisesten
Einfluß genommen, dafür kann einer ruhig
die Hand ins Feuer legen ! Was er sich an
Stellung, an Auszeichnungen, an künstlerischer
Geltung erobert hat, das hat er gewonnen
, weil das Echte eben durchdringen
muß, wenn seine Zeit gekommen ist, aber
er hat es gewonnen unter vollkommener, ja
demonstrativer Gleichgültigkeit gegen den Erfolg
. Ihm war immer das Wesen der Malerei
wichtiger als die Ehren, welche mit ihr zu
gewinnen sind. Die Ergründung dieses Wesens
ist bei ihm Quell und Endzweck allen Strebens,
aller Arbeit. Und wenn er über diesem Streben
gar nicht zur Produktion gekommen wäre,
Habermann wäre doch der Künstler, der er ist.
Der Künstler — nicht ein Artist! Das phrasenkluge
, oberflächlich spielende Artistentum, das
sich in ein paar blendenden Fertigkeiten und
Ueberfeinerungen genug tut, und ja auch die
Menge verachtet, aber bloß um die Menge zu
verblüffen, dies Artistentum ist Habermann
genau so fremd wie die akademische Anschauung
. Ich wüßte keinen Ismus, der ihn
für sich reklamieren könnte. Er ist seit der
Spaltung in der Münchener Künstlerschaft
ein Führer der Jungen gewesen. Weil er die
Ueberzeugung hatte, daß auf dieser Seite das
frische zukunftsichere Streben sei, daß für
dies freie Bahn geschaffen werden müsse -
nicht, weil ihn eine bestimmte „Richtung"
mit den Jungen verband! Im letzten Grunde
fußt die Kunst Habermanns doch auf einer
gründlichen Kenntnis der Alten und es ist

Die Kunst für Alle XXI. 10. 15. Februar 1906.

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