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-*-^ö> HUGO VON HABERMANN <^=^
vention der Piloty-Schule erkennen ließ, sondern
ein tiefes, sei es intuitiv, sei es durch fleißiges
Studium erworbenes Verständnis der Malerei
der Alten. Eine äußerliche Anlehnung an diese,
ein Archaisieren mit Absicht, hat der Künstler
dabei nie betrieben. Die Studie „Der Mönch"
(1875), welche die Münchener Pinakothek erwarb
, läßt an die Art Zurbarans denken, aber
eben nur, weil sie einen Mönch darstellt, der
breit, großzügig und einfach gemalt ist, wie
dieser Spanier malte. Zu gleicher Zeit entstand
jene Kostümstudie eines Edelmanns in schwarzem
Gewände; auch sie erinnert an die Spanier,
aber schließlich auch nur durch die Qualität und
künstlerische Absicht der Arbeit. Außer dem
Bildniskopf in der Münchener Pinakothek und
dem Herzog von Olivarez in der Schleißheimer
Galerie hatte Habermann damals wirklich noch
keinen Velasquez gesehen und, obwohl uns
der kraftvoll-flüssige und sichere Strich und
ein verwandtes koloristisches Prinzip in den
Bildern Habermanns immer wieder an diesen
Großmeister der „absoluten Malerei" erinnert,
unser Künstler hat sein Leben lang nur recht
wenige Bilder Don Diegos im Original zu
Gesicht bekommen. Ein grundlegender Unterschied
zwischen Velasquez' und Habermanns
Weise liegt nun freilich im persönlichen Ausdruck
: entgegen der zurückhaltenden kühlen
Objektivität des gewaltigen Spaniers, von dem
man gesagt hat, daß er sich selber ganz hinter
seine Bilder versteckt, ist bei Habermann,
namentlich dem späteren Habermann, alles
subjektivste, ununterdrückte und uneingeschränkte
Temperamentsäußerung! Er ist als
Maler kein Hofmann, sondern er hat den
„Schuß Zigeunertum" im Blut, den wir heute
im Charakter einesechten Künstlers nichtgerne
missen. — Aus jener Zeit der Piloty-Schule
stammt noch ein ausgezeichneter Frauenkopf
mit rotem Barett, den der Künstler zur Jahrhundertausstellung
nach Berlin sandte und das
schöne weibliche Bildnis, das im Besitz der
Frau v. Barlow in München ist. Das letztere
bezeichnet Habermann übrigens selbst als sein
erstes Bild. Eine der frühesten selbständigen
Arbeiten, mit denen er sich nach dem Austritt
aus der Akademie in der Oeffentlichkeit zeigte,
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