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-*-^> HUGO VON HABERMANN <^*~
1905 in der Ausstellung im Münchener Glaspalast
zu sehen war. Das malt ihm heute
kaum ein Zweiter nach! Für eine Analyse
aller dieser Variationen über das Thema des
Irdisch-Weiblichen ist hier leider nicht Raum,
nur eines Bildes sei speziell noch gedacht, der
„Salome". In Wahrheit ist es nicht die Salome
der biblischen Erzählung und auch nicht die
irgend einer späteren Dichtung, sondern das
Abbild eines Modells, dessen Erscheinung
eben im Künstler den Gedanken „Salome"
auftauchen ließ. Statt der lüsternen Tochter
der Herodias ein pikantes modernes Weib
und statt Johannes' Haupt auf der Schüssel
— eine Gipsmaske als leichte ironische Andeutung
an des Dämchens salomische Natur!
Von den Akten und Halbakten sei besonders
hervorgehoben eine bekränzte, trunkene
Bacchantin, der in ein Kreisrund komponierte,
prächtig geformte und gemalte Akt (Seite 225),
der ebenfalls Bacchantin heißen kann und die
mindestens eben so schön gemalte Halbfigur
H. VON HABERMANN
BILDNIS DER SIGNORADIT.
eines Weibes mit verhülltem Haupt, die unter
dem Titel „Das Schweigen" bekannt ist. In
diesen Bildern wie in vielen Frauenporträts
zeigt Habermann oft auch das Bestreben,
lebhafte und ungewöhnliche Bewegung mit
kühner Verkürzung zu verbinden — er liebt
das, was ihn vom Herkömmlichen entfernt
und ihm die Arbeit erschwert. Auch wo
ein Bildnis in erster Reihe Bildnis sein soll,
läßt er sich eine konventionelle Auffassung
nicht genügen. Es sei nur an das reizvolle,
kreisrunde Porträt der Frau Eugenie Knorr
in München erinnert, an das Porträt seiner
Mutter, das die Münchener Pinakothek besitzt
, an ein vorzügliches, bei aller Schlichtheit
vornehmes Bild des Grafen O. und an
das geniale Gruppenporträt der Familie seines
Bruders mit dem alten fränkischen Stammschloß
im Hintergrunde, ein Bild, das 1901 auf
einer Ausstellung der Sezession nicht wenig
Aufsehen erregte. Gelegentlich hat Hugo v.
Habermann auch einige Landschaften bewundern
lassen, Landschaften, die
nicht mit den Augen des Spezialisten
gesehen und nicht mit der
Routine des Spezialisten gemalt
waren und gerade dadurch ihre
besonders intensive und reine,
fast naive Wirkung gewannen.
Im Münchener Kunstleben hat
Habermann, dessen Bildung, Urteil
und persönliche Bedeutung auf
die Kollegen wirkte, auch lange,
bevor er noch als Maler so allgemein
gewürdigt war, wie jetzt,
schon seine Rolle gespielt. Seit
bald dreißig Jahren gehört er stets
den Juries der Internationalen
Kunstausstellungen an, war oftmals
deren Delegierter in Italien,
in Paris usw., war seit dem Bestehen
der Sezession deren zweiter
Präsident und ist seit Fritz v. Uhdes
Rücktritt ihr erster. Was er an
Titeln und Orden hat, soll an dieser
Stelle nicht aufgezählt werden
— derartiges gibt in München noch
weniger als anderswo einen Maßstab
für den Wert des Mannes.
Seit dem Tode Johann Herterichs
hat Habermann, wie gesagt, auch
eine Professur an der Kunstakademie
erhalten — ein wenig spät!
Wer es wissen wollte, konnte das,
daß er ein ausgezeichneter Lehrer
ist, schon seit dem Anfang der
achtziger Jahre wissen. Damals
hat er mit Piglhein und Uhde
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