Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 13. Band.1906
Seite: 242
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-f^> MODERNE AMERIKANISCHE MALER

Aber Mc. Neill Whistler, obgleich er in
Europa lebte und schaffte, ist doch ein wunderbarer
Beweis für die Möglichkeiten amerikanischer
Künstlerschaft!

Velasquez, Rembrandt die japanische
Kunst, alle diese Einflüsse sind in Whistler
rege und wundersam verschmolzen. Ein
neuer Labetrunk für Menschen, die nach
modernen Schönheitsidealen schmachten, ist
aus der Gärung entstanden. Der ihn kredenzte,
hielt ihn selbst für einen Göttertrank, denn
niemand war ein eifrigerer Apostel Whistlers
als Whistler selbst. Darin ganz Amerikaner
: Nichts von bescheidener Unterordnung
unter die Gottheiten, zu deren Füßen er dem
Evangelium der Kunst gelauscht hatte. Sein
Stil wird wenig Nachfolger zeugen, denn
er war der originelle Ausdruck einer überintensiven
Künstlerindividualität und ein Beweis
der hochpotenzierten Aufnahmefähigkeit
des Amerikaners, denn allerlei Einflüsse so

irving r. wiles

stark individuell zu verarbeiten, ist echt amerikanisch
!

Der andere große amerikanische Maler,
John Singer Sargent, ist zwar ein grundverschiedener
Künstler, doch aber darf auch er,
trotzdem er meist in England lebt, füglich
für die amerikanische Kunst gefordert werden.
Die alerte Auffassung und rasche Eindrucksfähigkeit
, welche den Amerikanern eigen sind
und es ihnen möglich machen, als Volk einige
Jahrzehnte der Entwicklung kühn zu überspringen
, sind ihm in hohem Grade eigen.
Durchschnittsmenschen unter den Amerikanern
haftet durch diese sprunghafte Entwicklung
leicht Oberflächlichkeit an, geniale Naturen
vermögen aber vermittels dieser raschen
Aufnahmefähigkeit plötzlich die Kulturen verschiedenster
Epochen in sich aufzunehmen.
Sargent wurde auch das Glück zuteil, sehr
jung nach Europa zu gelangen. Einflüsse,
welche den meisten Amerikanern erst später
werden, wenn ein heftiger Drang
sie zur Vervollkommnung ihres
Kunststudiums hinwegaus der heimischen
, übermächtig dem Praktischen
gewidmeten Welt zieht, hat
er in den eindrucksfähigsten Jahren
in sich aufgenommen. Dazu ist er
der Abkömmling der in Amerika
die größte Kulturverfeinerung repräsentierenden
Kreise. Er entsprang
der mit geistigem Fluidum
reich geschwängerten Neu-Englandsphäre
. Massachusetts ist sein
Heimatstaat.

Längst vor Whistler und Sargent
, den beiden Amerikanern, die
zuerst dem Ausland lebhaft beweisen
, daß vollechte Künstler
dem amerikanischen Boden entsprießen
können, datiert übrigens
unsere Kunstgeschichte zurück.
Sie ist heute etwas über 100 Jahre
alt. Wenigen ist es bekannt, daß
Benjamin West der erste bedeutende
amerikanische Maler war,
der Joshua Reynolds als Präsident
der Royal Academy in London
gefolgt war, obgleich sein erster
Lehrer ein Cherokeeindianer gewesen
ist. Mit ihm setzte der
englische Einfluß unter Amerikas
Malern ein. Es folgte die Zeit der
Düsseldorfer Beeinflussung, aus
der heraus sich die hiesige „Hud-
sonriverschool" gebildet hatte, in
der deutsche Gefühlsweise mit
bildnis etwas geographisch trockener Ge-

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