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-*=4^5> DIE DEUTSCHE JAHRHUNDERT-AUSSTELLUNG <^=v-
Bildnisse reihen sich würdig in diese Gruppe
ein. Es ist wohl kein Zufall, daß E. J. von
Steinle's 1842 keck und urwüchsig hingesetztes
wohlgenährtes Figürchen seiner Tochter
Karoline uns diesen Nachfolger Overbecks
und Veits auf einer Höhe des Könnens
zeigt, wie wir das sonst bei ihm nicht gewöhnt
sind. Was die Landschaft anbetrifft,
so sei bloß auf J. Schnorrs „Verkündigung"
hingewiesen, wo hinter den konventionellen
Figuren sich ein entzückender Ausblick auf
Rom eröffnet: ein malerischer Leckerbissen.
Ferner sei kurz auf des früh verstorbenen
K. Ph. Fohr „Romantische Landschaft" aufmerksam
gemacht, in der der Vierundzwanzig-
jährige, in falscher Bahn sich Bewegende,
trotzdem eine Frische, Kraft und Ursprünglichkeit
der Naturanschauung offenbart,
die an Böcklin zu denken zwingt. F. Catel,
eduard j. von steinle • « bildnis seiner
(1810—1886) tochter caroline
Deutsche Jahrhundert-Ausstellung Berlin 1906
johann c. wilck baron rohrscheidt
(1785-1820)
Deutsche Jahrhundert-Ausstellung Berlin 1906
der mehr seine eigenen Wege beschritt, wirkt
dann bereits recht frei und breit, besonders
in seinen skizzenhaften Arbeiten wie dem
„Golf mit Vesuv". Ein merkwürdiges, etwas
an Olivier anklingendes Bild der Nationalgalerie
, auf dem dargestellt ist, wie die
beiden Söhne G. Schadows auf ihrer Italienfahrt
in einem Klostergarten von Mönchen,
darunter angeblich dem Mastai Ferretti,
späterem Papste Pius IX. empfangen werden,
rührt vielleicht von J. W. Schirmer her;
die südliche Landschaft ist auch hier
voll Reiz, gar nicht stilisiert, sondern der
Natur abgesehen. Zu dem üppigen Grün
der Vegetation stehen die braunen Kutten
der Mönche in gutem Tonverhältnis. Und
auch inhaltlich typisch will uns das Bild bedünken
, als lebendiger Ausdruck dafür, wie
die Kunst Deutschlands an der Wende des
18. und 19. Jahrhunderts im fremden Lande
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