Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 13. Band.1906
Seite: 282
(PDF, 172 MB)
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-*^> VON AUSSTELLUNGEN UND SAMMLUNGEN <^^-

dennoch keine üble Folie; denn gegenüber dem
mühelosen Schaffen des Schweizer Meisters empfindet
man die Energie, mit welcher die Malerin
ihrem an sich spröden Talent das Aeußerste abnötigt
, doppelt stark. In Emilie Mediz' Bildern
findet sich eine seltsame Mischung von phantastischer
Stimmung und starkem Wirklichkeitssinn.
Ihrer Seele wachsen vor jedem Natureindruck mächtige
Schwingen, die sie über das Zeitliche und
Gegenwärtige hinaustragen möchten; aber das leidet
die angeborene Gewissenhaftigkeit nicht, sondern
zwingt die Künstlerin zur Treue gegen die Natur;
und wenn ihre Phantasie sie zum Beispiel antreibt
, einen schwertragenden Orangenbaum als
Symbol der Fruchtbarkeit zur Darstellung zu
bringen, so sucht Frau Mediz solche Freiheit
sofort wieder dadurch auszugleichen, daß sie
den Baum in seiner Eigenschaft als Orangenbaum
so intim wie möglich der Wirklichkeit nachbildet
. Dieses Nebeneinander von nachdenklichem
Wesen und Respekt von der Natur hat seinen eigenen
Reiz. Man spürt hinter den Naturschilderungen
der Frau Mediz, die sich mit dem Hochgebirge und
mit dem Mittelmeer beschäftigen, ein leidenschaftliches
und treues Herz, einen besonderen Menschen.

philipp o. runge (1777—1810) die eltern des künstlers
Deutsche Jahrhundert-Ausstellung Berlin 1906

Nicht alles gelingt ihrem heißen Bemühen, aber
einige von den Bildern der Künstlerin, wieTdie
>Homerische Landschaft«, >Der Gletscher«, die knorrig
aus Klippen wachsende > Felseneiche« sind in
ihrer Art unübertrefflich und erwecken hohe Achtung
vor der Malerin und dem Ernst ihres Strebens.
Das ist nicht das bei den meisten Damen übliche
Spielen mit der Kunst, sondern ein ehrliches, schweres
Ringen um ein hohes Ziel. Es muß bewundert
werden, wie es Frau Mediz fertig bringt, soviel
Details zu geben, ohne den großen Gesamteindruck
ihrer Bilder zu schädigen. Der Bildhauer J. Limburg
läßt in der gleichen Ausstellung einige Büsten
und Statuetten sehen, die ein ansprechendes Talent
bezeugen.

Im Salon Keller & Reiner produziert sich wieder
einmal Otto von Krumhaar mit einer Kollektion
von Porträts. Nichts illustriert den schlechten Geschmack
in gewissen Gesellschaftskreisen besser
als die Tatsache, daß dieser dilettantische Maler
sich der Gunst hervorragender Persönlichkeiten erfreut
und sogar Gelegenheit fand, den Präsidenten
Roosevelt zu porträtieren. Man kann sich kaum
etwas Konventionelleres denken als dieses Bildnis,
das statt des durchgearbeiteten Charakterkopfes des
ersten Mannes von Amerika ein rosiges,
glattes, leeres Gesicht zeigt und von jeder
Photographie an psychologischer Qualität
übertroffen wird. Aber es scheint, daß
das Publikum eine besondere Schwäche
für diese alle charakteristischen Eigentümlichkeiten
einer Physiognomie verschweigende
, mit einem allgemeinen braun-
rosa Ton für Gesichtsfarbe operierende Malweise
besitzt. Robert L. Leonard, der
Stilleben und Landschaften ausstellt, scheint
einer jener Pariser Impressionisten zu sein,
die den Rat der »Jugend« für Ernst genommen
haben und wirklich glauben, man
fiele in Berlin auf jeden impressionistischen
Kitsch herein. Die von Rudolf
Markuse ausgestellten Plastiken, Porträtbüsten
, »Jüngling mit Schlange«, »Athlet«,
»Ricordo di Roma« und kleine Statuetten
lassen gute Gaben, aber auch eine bedenkliche
Neigung für das Konventionelle und
Gefällige erkennen, die der Entwicklung
des Künstlers recht gefährlich werden
kann. Von dem vortrefflichen H. Wolff
sieht man eine reiche Kollektion von neuen
Radierungen, die aufs neue bestätigen,
daß der Künstler in seinem besonderen
Fach einer der tüchtigsten und beweglichsten
ist.

Eine eben begründete „Verbindung bildender
Künstlerinnen" veranstaltet ihre
erste Ausstellung im Salon Fritz Gurlitt.
Wer von dieser weiblichen Sezession erwartet
hat, daß sie das festeingewurzelte
Vorurteil oder Mißtrauen gegen die malenden
Damen siegreich überwinden würde,
wird angesichts des Gebotenen eine starke
Enttäuschung erleben. Die Ausstellung
starrt von mittelmäßigen Leistungen. Was
sie von anderen Künstlerinnen - Ausstellungen
unterscheidet, ist allein der Umstand
, daß man modernere Vorbilder hinter
den einzelnen Leistungen stehen sieht
oder vielmehr modernere Lehrer. Die
Jacob, Uth, Eschke, Fehr sind ersetzt
durch Hummel, Jank, Holzel, Philipp
Klein. Etwas wirklich Originelles hat allein
Sophie Wolff beigesteuert, die Püppchen

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