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-*=^> DIE DEUTSCHE JAHRHUNDERT-AUSSTELLUNG <ö=^v-
Kampfes gleich schußsicheren, aber seelisch
mit hineingerissenen Kombattanten bis in alle
Phasen mitzuerleben vermeinen. Dann aber
lassen wir das Fernglas sinken, und alles
schmilzt zu einer großen Schlacht- und Landschafts
-Epopöe zusammen. Auf einem kleinen,
ausgezeichneten Bildchen läßt Kobell einige
Soldaten, die Pfeife im Munde, von hoher
Brustwehr herab in derselben Weise, wie wir
das taten, das ferne Kampfesgetümmel verfolgen
. Diesen Kriegsdarstellungen fehlt glücklicherweise
alles Theatralische, Posierte, Er-
sonnene, Heroische und Sentimentale, ja, ich
möchte fast sagen: Patriotische. Zu dieser
Kälte und Härte des objektiven Sehens paßt
recht gut der etwas trockene Ton des malerischen
Vortrags. Diese Schlachten sind gesehen
mit der Adlerschärfe und der eisigen
Ruhe, wie wir sie im Auge des Feldherrn
voraussetzen. Fast alle neuere Schlachtenmalerei
stehtauf dem Standpunkte des Schlachtenbummlers
, der an den Bericht für seine
Zeitung denkt. Kobell hat ferner Landschaften
gemalt mit Tierstaffage, meistens Kühen, offenbar
unter dem Eindruck altholländischer Vorbilder
. Dieser Wiederschein holländischer
Altmeisterlichkeit leuchtet uns auch aus
M. J. Wagenbauers Bildchen entgegen, die
alle feinsäuberlich ausgeführt sind, ohne einen
Schritt vorwärts in der Kunst bedeuten zu
wollen. Gleichfalls treffen wir auf dies rückschauende
Element in der sehr ausgedehnten
und ungleichwertigen Produktion H. Bürkels.
Seine Pferde vor den Dorfwirtshäusern dünken
uns oft wie direkt aus Wouwerman herausgeholt
. Immerhin steckt in einem seiner besten
Werke, dem aus der Neuen Pinakothek hergeliehenen
„Regenschauer in Partenkirchen",
viel ursprüngliche Naturbeobachtung. Besonders
wie die überraschten, flüchtenden Tauben
als gespenstische Klumpen hinter dem Regenvorhang
durch die Luft wirbeln. C. Rottmann,
der nach südlichen Gegenden ausschaut und
E. Schleich d. Ae., der mit seinem Landschaftsempfinden
redlich im Lande bleibt,
obschon er sich in Frankreich nach Ausdrucksmitteln
umgesehen hat, bedürfen keiner
näheren Charakterisierung. Th. Fearnley, den
Schüler Dahls, hätten wir eigentlich im Anschluß
an die Kopenhagener Schule erwähnen
müssen. Doch hat er auch in München gearbeitet
und ist dort gestorben. So mag er
denn hier mitzählen, zugleich als ein Beispiel
für die ruhelose Wanderlust, die den größten
Teil der deutschen Maler des 19. Jahrhunderts
in der Welt umhertrieb. Schwind, den uns vor
zwei Jahren eine Sonderausstellung der Nationalgalerie
umfassend vorführte, ist mit nur
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