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-**4stf> DIE DEUTSCHE JAHRHUNDERT-AUSSTELLUNG
herausgegriffen werden, die auf der Ausstellung
mit hervorstechenden Werken vertreten
sind. Dazugehören G. v. Max' „DieSchwestern"
und „Frühlingsmärchen", ersteres ein sehr
kleines, letzteres ein recht großes Bild, beide
vorzüglich gemalt. Die zarte Frauengestalt
im rosafarbenen Kleid, über das ein durchsichtiger
weißer Ueberwurf gelegt ist, mit
herabgesunkenem schwarzen Tuch, inmitten
der grünenden Natur, Rosen in der Hand,
erscheint selbst wie eine aufbrechende
Knospe. Noch künstlerischer
wirkt die Gruppe dreier
jugendlicher Damen um einen weissen
Gartentisch: hier gibt uns der
Maler, der sonst so gerne erzählt,
oft von tiefsinnigen und geheimnisvollen
Gesichten, nur zu schauen.
Ein absonderliches Bild ist die lebensgroße
„Faustina", ein nackt
hingelagertes üppiges junges Weib,
vom Rücken gesehen, inmitten
roter Draperie, ein blaubebänderter
großer Strohhut bedeckt die Beine
bis zum Knie herauf. Man glaubt
einen schlechten Makart vor sich
zu haben. Und zwei Schritte weiter
hängt ein lebensgroßes weibliches
Bildnis Makarts in weißlicher Kleidung
: es sieht aus wie ein mißglückter
Max.
Wir nennen dann noch A. v. Kellers
„Dame in Weiß und Blau", eine
höchst elegante Arbeit, die Seidenrobe
knistert und rauscht nur so
auf dem winzigen Bildchen. Bei
seiner ebenfalls sehr klein gehaltenen
„Andromeda" leuchtet das
nackte Körperchen effektvoll aus
dem farbigen Dunkel heraus, ähnlich
wie auf dem jüngst entdeckten
Rembrandt, dessen Andromeda freilich
von der Eleganz einer Modedame
des 19. Jahrhunderts weit
entfernt ist. A. Braiths „Heimziehende
Herde" von 1872 bietet
zu besonderer Bemerkung keinen
Anlaß, sie möge hier stehen als Repräsentant
der anspruchslosen Durchschnittsleistungen
jener Tage. J. G. Steffans „Herrenchiemsee"
von 1869 ist doch etwas zu geleckt in der
Spiegelung. A.J. Holmbergs „Burgin Füssen"
macht sich bemerkbar als ein diskret-schönes
Bild: rote Dächer, graues Gemäuer, von bläulichem
Felsengebirge sich abhebend, eine
grüne Pappel im Vordergrund. Es ist keine
Sonne auf dem Bilde, auch kein Schatten.
sich alles im luftdurchflossenen Räume. Nachträglich
sind in die Ausstellung Werke der
bedeutenden Münchener Lehrmeister W. Diez
und L. Loefftz eingereiht worden. Von Loefftz
ein Naturausschnitt: Gartenbeet und Kohl,
vielleicht etwas zu markant in der Plastik
und mit zu wenig Luftumhüllung gegeben;
von Diez die lachenden Köpfe eines Bauern
und einer verschmitzten zahnlosen Bäuerin,
skizzenhaft und mit schneidiger Handschrift.
RUDOLF HIRTH DU FRENES BILDNIS DES MALERS SCHUCH
Deutsche Jahrhundert-Ausstellung Berlin 1906
Bevor wir von München Abschied nehmen,
werfen wir noch einen Blick zurück auf das
einzige Staffeleibild W. v. Kaulbachs, das hier
ausgestellt ist, das „Bildnis König Ludwigs I."
Was man auch sage, dieser Fürst war doch
der größte deutsche Kunstmäcen im neunzehnten
Jahrhundert. Mag die Zeit und die
Entwicklung über ihn und seine kunstfördernden
Großtaten hinausgeschritten sein, sein
vorbildliches Wollen bleibt bestehen. Kaul-
Durch die richtigen Tonwerte allein ordnet bachs Brustbild, im bürgerlichen Rock, ist
Die Kunst für Alle XXI. 329 42
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