Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 13. Band.1906
Seite: 337
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A. BOECKLIN (1827-1901)

Deutsche Jahrhundert-Ausstellung Berlin 1906

FRÜHLINGSABEND

DIE DEUTSCHE JAHRHUNDERT-AUSSTELLUNG

Von Ferdinand Laban
IL

Alle Schlachten der französischen Malerei
sind an einem Orte geschlagen worden,
in Paris. Der Ueberblick über die folgerichtig
sich vollziehende Entwicklung ist
daher dort einfach und klar: es ist ein zusammenhängend
hinrollender Donner. Die
deutsche Malerei bietet dagegen den Anblick
eines Geplänkels, das sich durch alle Gaue
erstreckt, eines Pelotonfeuers, das bald hier,
bald da zu heftigerer Aeußerung anschwillt,
vordringt, zurückweicht, und jedenfalls die
Enträtselung von Plan und Sinn des gesamten
geschichtlichen Werdens außerordentlich
erschwert. Vielleicht ist dabei auch viel
Pulver eindruckslos verpufft worden. Viel
kleine vertrödelte Heimatkunst, wenig standhaltende
große nationale Kunst. Bei der übermäßigen
Anzahl kunstpflegender Siedelungs-
punkte, die es zu einer gewissen Tradition
gebracht haben, bei der Unstetheit der Hauptmasse
der deutschen Künstler, mit der sie
selbst innerhalb dieser deutschen Kunststätten
fortwährend hin und her wechseln,
ganz abgesehen von dem allgemeinen Ausschwärmen
nach Italien, Frankreich und
Belgien, — wird es noch vieler geduldiger

Einzelforschung bedürfen, um über die Zusammenhänge
im verflossenen deutschen
Kunstjahrhundert ins Reine zu kommen. Die
immerhin stattliche Reihe ursprünglicher
künstlerischer Persönlichkeiten nimmt sich
in dem allgemeinen Geschiebe und Getriebe
vielfach noch aus wie eine Schar zufällig
umhergestreuter erratischer Blöcke.

Wir haben bisher, ausgenommen die älteste
Periode, wo wir keine geographischen Unterscheidungen
machten, den Norden und Süden
Deutschlands behandelt. Der Osten spielt
eine untergeordnete Rolle. Um so mehr tritt
der Westen hervor, zu dem wir uns jetzt
wenden. Zum Beschluß wollen wir dann
noch, als Gegenstück zum ungeographischen
Anfang, einige Künstler der letzten Zeiten
für sich alleine herausheben.

Ein alter Düsseldorfer ist H. Kolbe, von
dem die Ausstellung mehrere Porträts bringt,
darunter den bekannten „Goethe" mit den
aufgerissenen Augen: die nervös-pathetische
Auffassung dieses Großen befindet sich mit
der ledernen Malerei im Konflikt. Bei den
Philisterporträts desselben Malers dagegen ist
Auffassung und Behandlung in besserer Harme
Kirnst fnr Alle XXI. 15. 1. Mai 1906.

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