Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 13. Band.1906
Seite: 338
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-,=^> DIE DEUTSCHE JAHRHUNDERT-AUSSTELLUNG <ö^-

ADOLF STÄBLI U842-1901) FRÜHLINGSLANDSCHAFT
Deutsche Jahrhundert-Ausstellung Berlin 1906

monie. Immerhin sind es bemerkenswerte Arbeiten
von einer Art hahnebüchenen Grandezza.
Ungemein erfreulich ist J. P. Hasenclever.
Die spätere pointierte humoristische Genremalerei
vermag ihn nicht in Vergessenheit
zu bringen. Hogarths menschenverachtende
Unerbittlichkeit erscheint bei ihm wie durch
Jean Paulsche Milde gemäßigt. Sein „Jobs
im Examen" klingt wie ein hohes Spottlied
auf alle Prüfungsreiterei: wir lachen über
Jobs, wir lachen aber auch über seine Examinatoren
. In schwarzen Roben und weißen
Mühlsteinkragen, mit großen Perücken sitzen
sie gravitätisch um den langen Tisch, dürr
oder dickwanstig, und lächeln bei herabgezogenen
Mundwinkeln auf den Stockzähnen,
ein rechtes Philologen-Lächeln. Es steckt
etwas vom Geiste Molieres in der Szene.
Malerisch bietet das Bild eine gute Interieur-
Stimmung. Das „Lesekabinett" füllen ebenfalls
prächtige Chargen. Zwei ausgestellte
kleine Tuschzeichnungen stehen ganz auf

der Höhe dieser Bilder, ja, wirken im Be-
leuchtungseffekt fast wie Bilder.

Die Düsseldorfer Meister sind übrigens
alle vertreten, von dem erfolgreichen Schulegründer
W. Schadow angefangen, der nicht
malen konnte, bis auf A. und O. Achenbach,
die das Malen aus dem ff verstanden, und
bis auf E. v. Gebhardt. Es fällt doch recht
auf, daß Gebhardts figurenreiche Darstellungen
aus der heiligen Geschichte im psychologischen
Ausdruck immer dasselbe bringen.
Ob es nun die „Kreuzigung" ist oder der
„Einzug in Jerusalem" — diese beiden Stücke
repräsentieren ihn hier —, man sieht stets
die nämliche Ekstase in den Gesichtern, so
daß man fast sagen möchte, er zeige uns
nicht dort die Trauer, hier wieder die Freude,
und zwar in individuellen Abstufungen, sondern
eben schlechtweg eine gewisse übersteigerte
Erregtheit der Seele an sich, die
allen seinen Personen habituell geworden
ist. Man könnte die Figuren aus dem einen

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