Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 13. Band.1906
Seite: 351
(PDF, 172 MB)
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Varia

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_13_1906/0421
-*^£> VON AUSSTELLUNGEN UND SAMMLUNGEN <S^~

VON AUSSTELLUNGEN

UND SAMMLUNGEN

ROM. Nur selten noch hört man von Rom
als Kunststadt. Einst das Mekka aller
deutschen Künstler, die sich am Zauber der
ewigen Stadt und der Campagna begeisterten,
ist das gute, alte Rom längst zum verlorenen
Posten geworden. Freilich fehlt es auch
heute nicht an fremden Künstlern auf dem
klassischen Boden — aber die Meisten betrachten
die Tiberstadt nur mehr als Durchgangs
-Station, als Villeggiatur nach den Mühen
der heimatlichen Akademie. Nur wenige (A.
Volkmann, Tuaillon, Felderhoff, Greiner u. a.)
halten, bezw. hielten es jahrelang hier aus.
Die zurzeit hier lebenden deutschen Künstler
haben es als ihre Pflicht betrachtet, der Welt
ein Lebenszeichen zu geben in Gestalt einer
Aasstellung im Palazzo Serlupi. Röder, Le-
pinsky, Völkerling, Nöther, Brioschi, Paul
Bürck u. a. sind vertreten; Geiger (der hier
unlängst eine Sammlung genialer Radierungen
ausgestellt), Otto Greiner, Frieda Menshausen,
der junge und temperamentvolle Porträtist
Fritz Harnisch fehlen. Unter den Malern verdient
der Schlesier Hermann Völkerling
mit einem Damenbildnis — einer überaus
feinen Symphonie zartester Farben — Erwähnung
. Die Abgebildete, Frieda Gilbert,
ist selbst Porträtistin von ausgesprochenem
Talent, deren Pastelle durch Kraft und Exaktheit
der Zeichnung überraschen. Ein wundervolles
Damenporträt in Tempera hat Ernst
Nöther, gleichfalls ein treffliches Bildnis
einer jungen Frau (Kohlezeichnung) bringt
Kellerhals, und ferner sind Paul Barth
und Frl. Reinmann mit Porträts, Brioschi
(seit 14 Tagen Professor von San Luca) mit
duftigen Campagnaskizzen, Bürck-Darmstadt
mit phantastischen, an Feuerbach und Klinger
gemahnenden Steindrucken vertreten. Voll
Melancholie sind Max Röders Radierungen:
zerfallene Villen, epheuumrankte Nymphäen, schwermütige
Zypressen- und Pinienhaine aus den Albanerbergen
, sowie ein flottes Oelbild: Der Golf von
Neapel an einem Regentag. Wie unter Tränen
lächelt die italische Sonne zwischen den vorüberhastenden
Wolken auf Capri herab. Sigmund
Lepinsky endlich hat eine Circe von starker dekorativer
Wirkung (Oel und Tempera kombiniert) und
eine Reihe poetischer Landschaftsbilder. Von
Bildhauern erwähnen wir hauptsächlich Christoph
Nüsslein, Seeböck, Glycenstein. Der letztgenannte
bringt u. a. eine sehr elegante Porträtbüste
von Gabriele d'Annunzios Tochter, Seeböck das
reizende Nippes-Figürchen einer jungen Dame mit
Hund, der hochbegabte Bayer Nüsslein das ganz
von klassischem Geist belebte, wundervolle Reliefbild
der Iphigenie mit Orest und Pylades. Auch
Brandenburg (Brunnenmodell) und Paul Oss-
wald (Majolikabildnis) seien erwähnt, sowie der
derzeitige Vize-Präsident des D. K.-Vereins, Emil
Stadelhofer, dessen neueste Arbeit, eine Pracht-
Fontäne in verschiedensten Marmorarten und in
der Idee einer Passionsblume gehalten, zur Ausstellung
im Palazzo Serlupi zu umfangreich war und
darum bis zur Versendung nach Deutschland im
Atelier des Künstlers bleibt. dr. Hans Barth

ZÜRICH. Das neueste auf dem Gebiete der schwei-
^ zerischen Künstlervereinigungen ist eine schwei-

OT

TO SCHOLDERER BILDNIS DER FRAU

(1834—1902) VICTOR MULLER«»

Deutsche Jahrhundert-Ausstellung Berlin 1906

zerische freie Künstlervereinigung mit dem Beinamen
Sezession, die alle hervorragenderen Elemente der
älteren Kunst unter ihrer Führung versammeln will.
An der Spitze stehen Namen wie Rüdisühli, Barzaghi,
Bachmann-Luzern und etliche Schweizer Künstler,
die mit Unterschied zu beurteilen sind, aber weder
draußen noch zu Hause verzeichnet werden, wenn
von den Fortschrittsmännern in der eidgenössischen
Kunst die Rede ist. Die neue Vereinigung richtet
ihre Spitze vor allem gegen die schweizerische Vereinigung
von Architekten, Malern und Bildhauern
und trägtsich mit der Idee, der gegenwärtig herrschenden
terrorisierenden Moderichtung« eine gesunde
Opposition entgegenzustellen. Für den Herbst 1906
zeigt die neue Künstlervereinigung eine eigene Ausstellung
an, die in Basel stattfinden soll. Alles in
allem redet es von gesunden Geist im — anderen
Lager, daß man diese Gründung für nötig hält. Es
wird sich erweisen, ob sie stark genug ist, einen
Terrorismus, der schließlich in gewissen ästhetischen
Dingen nie genug terroristisch sein kann,
Konkurrenz zu machen. Ich hoffe nicht.

Die Zürcher Künstlerhausausstellungen der letzten
Monate brachten wenig Ueberraschungen. Im
Rahmen gut geordneter Kollektivausstellungen erschienen
neben dem etwas eintönigen Kalckreuth-
schüler Wilh. laage-Cuxhaven W. Lehmann und
Ernst Kreidolf, beides Schweizer Künstler, die
sich außerhalb ihrer Heimat einen klingendenNamen

351


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_13_1906/0421