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-*=^> VON AUSSTELLUNGEN UND SAMMLUNGEN <^=^
HANS THOMA
DES KÜNSTLERS FRAU IN DER HÄNGEMATTE
Deutsche Jahrhundert-Ausstellung Berlin 1906
geschaffen haben und auch zu Hause gerne gesehen
sind. Wenn auch Lehmann in seinen stimmungsstarken
landschaftlichen Schilderungen wenig verschiedenartige
Auffassung betätigt, so bleibt er vielleicht
gerade wegen seiner starken Beschränkung
auf die schweren, ernsten Naturmomente immer
ein Formenbildner von stark entwickeltem Ausdrucksvermögen
nach der malerischen Seite. Seine
Werke zeigen Persönlichkeit und eigene Auffassung.
An Kreidolf mußte man
bei der Revue seiner
sämtlichen graphischen
Märchenerfindungen und
dekorativen Schöpfungen
der Kinderromantik den
Künstler werten, der mit
seinen Werken unterhalten
und mit ihrem Inhalt
erfreuen kann, um sich
gleichzeitig unabhängig
von dieser nimmermüden
Unterhaltungskraft als ein
Künstler von reinstem
darstellerischen Vermögen
und einer romantischen
Note zu zeigen,
die in ihrem Tonklang
an Schwind erinnert. Ich
möchte dann noch eines
neuen Malers Erwähnung
tun, der mir bisher
hin und wieder auf
schweizerischen Ausstellungen
begegnete, aber
erst im Zusammenhang
mit einer Sonderausstellung
seiner Werke in der
Winterthurer Kunsthalle
die Gewißheit gab, daß
die Schweiz immer wieder
neue Romantiker produziert
und was das Gute
dabei ist, Romantiker, die
nur nebenbei Romantiker
und zuerst geschmackvolle
Maler und Zeichner
sind: Eduard Stiefel
ist sein Name. Seine hervortretende
Eigenschaft
ist, die Bilder auf eine
geschlossene und eindrucksvolle
kompositioneile
Linie zu bringen.
In einer Reihe technisch
experimentierender, aber
in diesen Experimenten
nach Ausdrucksvereinfachung
glücklichen graphischen
Arbeiten kündigt
sich ein unabhängiges
Formentalent und eine
sicher gestaltende Hand
an; in der Farbe ist
der Künstler in einer
aufsteigenden Entwicklung
begriffen, Früharbeiten
zeigen eine Vorliebe
für kältere Töne,
in neueren Schöpfungen
scheint Stiefel auch koloristisch
kräftigeren Wirkungen
nachzugehen. Für
heute nur soviel, daß man
mit ihm wieder einen Mann kennen gelernt, von
dem sich >etwas erwarten läßt«. Hermann Kesser
DERLIN. Zur Erneuerung einer alten Bekannt-
schaft verhilft seinen Besuchern der Salon Fritz
Gurlitt, indem er eine Sammlung von Arbeiten
Walter Cranes vorführt. Aber man hat wenig
Ursache, sich dieser neuen Begegnung zu freuen.
Himmel, ist dieser einst so lebhaft bewunderte und
HANS THOMA
Deutsche Jahrhundert-Ausstellung Berlin 1906
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