Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 13. Band.1906
Seite: 373
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-*=4^> MEISTERFARBEN DER RENAISSANCE <^=^

MEISTERFARBEN

DER RENAISSANCE

Von Dr. Hermann Popp

Daß die heute gebräuchlichen Oelfarben ein
Hemmnis für die gesunde Entwicklung
unserer Malerei bedeuten, das leugnen nur
noch die Stümper und jene genialischen Kraftmeier
, die im Bewurf einer Leinwand mit
Farbenklumpen eine besondere Art künstlerischen
Ausdrucks zu erblicken vorgeben.
Lediglich dem Mangel an künstlerisch-handwerklicher
Gesinnung ist die traurige Notwendigkeit
der ausschließlichen Verwendung
dieses Materials zuzuschreiben, das nach einem
Worte Böcklins „den Künstlerzur Verzweiflung
treibt". Allerdings muß gesagt werden, daß
die Hervorragenden aller unserer neuzeitlichen
Künstler das Ungenügende und Brutale
der modernen Oelfarbe stets
empfunden haben und nach
Ersatz suchten. Sie alle erkannten
, daß der Widerstand
, den das Material entgegensetzt
, eine unmittelbare
Verkörperung malerischer
Ideen zur Unmöglichkeit
macht. Es wurde dann
experimentiert, alte Rezepte
ausgegraben und mißverstanden
, bald dies, bald
jenes versucht. Neue Farben
, neue Malmittel, neue
Malgründe wurdenentdeckt,
und schließlich geriet vor
lauter Neuentdeckungen das
eigentliche Problem derart
in Verwirrung, daß Böcklin
sagenkonnte: „Wir(dieheu-
tigen Maler) sind alle Abenteurer
, ohne Halt, Steuer
und Kompaß : Jeder in einer
Nußschale. Keiner hat einen
Halt am früheren. Er weiß
nichts, glaubt nichts, schaut
nach und versucht's." In
einem aber war man sich
klar und dahin ging auch
das Bestreben der meisten:
Rückkehr zur Technik der
Alten!

Die Frage, wie und womit
die alten Meister gemalt haben
, hat nun eine umfangreiche
Literatur ins Leben
gerufen, aber für den praktischen
Gebrauch hat sich

irgendwie Nennenswertes nicht ergeben. Man
vergleiche beispielsweise nur die Resultate der
Untersuchungen über die Rubenssche Malweise
bei Descamps, Vie des peintres, Montabert,
Traite complet, Marcucci, Saggio analitico-
chimico (mit den Noten Palmarolis), Frimmel,
Handbuch der Gemäldekunde, Berger, Beiträge
zur Entwicklungsgeschichte der Maltechnik
, Ludwig, Ueber die Grundsätze der
Oelmalerei, Burtin, Traite theorique et pra-
tique, Merrifield, Original treatises, East-
lake, Materials etc. Diese, an sich gewiß
nicht uninteressanten Angaben sind charakteristisch
für unser gesamtes Wissen über
die Technik und die Malmaterialien der Alten,
denn die Widersprüche, die hierbei zutage
treten, beweisen schlagend die Richtigkeit
der Anschauung Springers über die Malweise
der Alten, die er in den Worten formulierte:
„Hierüber tappen wir im Dunkeln und be-

EMILIE v. HALLAVA NYA

SPIELENDES KIND

Frühjahr-Ausstellung der Miinchener Sezession

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