Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 13. Band.1906
Seite: 376
(PDF, 172 MB)
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t

-*-s=ö> MEISTER FARBEN DER RENAISSANCE

Charakter, denn es verwandelt sich in Firnis
und seine Wirkung ist dann eine ganz andere,
als wenn es frisch, wie bei der modernen
Malerei, mit den Farben zusammengebracht
wird. *)

Das Oel im heutigen Sinne war also nicht
das Bindemittel der Alten. Böcklin hatte es
längst gewußt, ehe es durch das Mikroskop
erwiesen wurde. Er
hat es oft gesagt, daß
die ganze Van Eyck-
Schule, trotz aller auf
Oel lautender Kontrakte
, daß Dürer in
den meisten Fällen,
daß Rubens nicht und
Tizian nicht in unserem
Sinne mit Oel gemalt
haben können,
da es solchen Pinselstrich
, solche Flüssigkeit
und solch nachweisbare
Schnelligkeit
der Uebermalung in
Oel einfach nicht gibt.
(Floerke p. 163.) Und
vor Rogier van der
Weyden, der ja die
neue Malweise der
van Eyck nach Italien
brachte, stand er wie
vor einem Rätsel. „Bis
ins letzte, kleinste hinein
ist alles belebt",
sagte er, „alles durch
und durch verstanden,
alles künstlerisch, nirgends
gepfuscht. Gemalt
scheint es überhaupt
nicht. Man sieht
keine Arbeit, kein
Sichabmühen mit widerspenstigem
Material
. Aber mit Oel, Firnis
oder was wir sonst
haben, ist das nicht a ugust h ud ler f
gemacht." (Floerke, Frühjahr-Aussteiiung
p. 179.)

Wie weit die Ausdrucksfähigkeit und der
Qualitätenreichtum unseres Materials hinter
dem der Alten zurücksteht, das zeigen eben
die Kopien nach ihren Werken.

Jene Kopien, von denen wiranfangssprachen,
sehen in frischem Zustand den Originalen
gewiß sehr ähnlich, aber doch nur insoweit,

*) Protokoll des Kongresses zur Bekämpfung der
Farben- und Malmaterialienfälschungen. Juni 1905
in München, p. 28.

als die Epidermis in Frage kommt. Bei einer
wirklichen Kopie handelt es sich aber doch
nicht nur um die, wenn auch noch so exakte
Nachbildung des Aussehens eines Originales,
sondern um die erkennbare Wiedergabe seiner
Malweise, um die klare Darlegung seiner einzelnen
Entstehungsphasen. Das ist nun allerdings
bei dem unkünstlerischen Charakter unserer
Oelfarben schlechterdings
unmöglich.
Alle modernen Kopien
sind nur Beweise dafür
, daß der Kopist
nicht in der Lage war,
die Entstehungsgeschichte
des Originals
nachzuerzählen, denn
sobald es darauf ankommt
, die im Originale
durch die obersten
Schichten hindurchscheinenden
unteren
Farblagen wiederzugeben
, so werden
diese vom Kopisten
einfach oben aufgesetzt
und dasisteine
Täuschung, die der
künstlerischen Wirkung
des Originals
natürlich niemals gerecht
zu werden vermag
.

Eine Kopie nach
Rubens etwa, kann
unmöglich mit unseren
heutigen Oelfarben
hergestellt werden
, sondern nur
mit solchem Material,
das dem im Original
verwendeten gleichkommt
, das dieselbe
Transparenz besitzt
wie dieses und daher
die einzelnen Farbenschichten
klar erkennen
läßt.

Die von Professor Ph. Fleischer erfundenen
„Meisterfarben der Renaissance" scheinen
nun diese Vorzüge im denkbar höchsten Maße
zu besitzen. Die Kopien, die Professor Fleischer
und andere mit diesen Farben nach Rubens
gemalt haben, halten sowohl hinsichtlich der
Transparenz und Leuchtkraft, wie auch in
bezug auf die Leichtigkeit und Freiheit der
technischen Behandlung jedem Vergleich mit
den Originalen stand. Hier kann man nicht

narziss
der Münchener Sezession

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