Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 13. Band.1906
Seite: 406
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-*-Ss£> VON AUSSTELLUNGEN UND SAMMLUNGEN <Ö5^~

der statt Beinkleider Fellhosen trägt — was sind sie
anderes als dürftig abgemalte Modelle? Am angenehmsten
wirken noch die Landschaften Grafs, obgleich
auch sie etwas Allgemeines haben, was aber
insoferne nicht ohne Reiz ist, als es mit der Münchener
Art, mit Dill oder Langhammer zusammenhängt
. Cäcilie Graf zeigt in ihren Arbeiten die Vorzüge
und Schwächen ihres Gatten in gedämpfter Weise. In
Josef Damberger lernt man einen neuen Bauernmaler
kennen, der gute zeichnerische Fähigkeiten
besitzt und auch nicht übel malt, freilich in einer
etwas sparsamen Art, die keine eigentliche Wirkung

H. HELLER-OSTERSETZER GOLDFISCHE
Frühjahr-Ausstellung der Wiener Sezession

macht. Aber er ist ein aufmerksamer Beobachter
und hat in seinen Bildern etwas entschieden Persönliches
. Die auf einer Böschung sich ruhenden
und unterhaltenden Feldarbeiter, ein Bauernmädchen,
ein Interieur mit Bauern sind sehr annehmbare
Leistungen, vor denen man an Leibi denkt, ohne ihn
jedoch nachgeahmt zu finden. Emil Nolde, ein
Schleswiger Maler, hat sich aus Monet und van Gogh
eine neue Malweise zurecht gemacht, der eine gewisse
starke farbige Wirkung und Leuchtkraft nicht
abzusprechen ist, deren Ergebnisse aber doch nur
bedingt befriedigen. Das Gewollte ist besser als das
Erreichte. Am wenigsten Einwendungen wird man
gegen die „Unterhaltung" machen können, die eine
städtisch gekleidete, im Schatten eines Baumes im

Garten sitzende Frau mit einer neben ihr stehenden
Bäuerin führt. Desire-Lucas hat nun auch hier
einige seiner geschickten Bilder ausgestellt, die ihn
weiter auf seinem Wege zwischen Millet, Cottet und
den großen Impressionisten zeigen, ohne daß er stärkeres
Interesse zu erregen vermöchte als mit seiner
ersten Ausstellung bei Schulte. Hans Rosenhagen

JV/lÜNCHEN. Es gehört zu den stehenden Redens-
arten in allen modernen Kunstbetrachtungen,
daß kein Mittel geeigneter wäre, Empfindungen und
Stimmungen künstlerischen Ausdiuck zu geben,
als die Radierung. Es ist hier nicht der
Ort, diesen Satz als eine allgemeine
Behauptung auf seine Richtigkeit hin
zu prüfen, interessant ist lediglich der
Umstand, daß in der Tat ausgezeichnete
Radierer phantasievolle Künstler
sind. Eine Reihe von Radierungen und
Zeichnungen von Fritz Hegenbarth
im Münchener Kunstverein bestätigen
diese Annahme. Was in erster Linie
fesselte, war natürlich das Stoffliche
in neueren interessanten Blättern, besonders
in solchen aus dem Zyklus
Kanon des Lebens. Fritz Hegenbarth
illustriert nicht etwa einen Gedanken,
er denkt nicht, um für das Abstrakte
einen stofflichen Ausdruck in der Zeichnung
zu finden, sondern, was er sich
vorstellt, ist bereits ein solches Gebilde,
wie eres auf der Kupferplatte nach und
nach entwickelt, formt und gestaltet.
Er beherrscht die graphischen Ausdrucksmittel
, differenziert und konzentriert
sie je nach Bedürfnis. Der Radierer
bedarf einer ungemein pointierten
präzisen Sprache, ähnlich wie der
Wortkünstler für eine scharfgeschliffene
Sentenz, einen kühnen Witz und einen
geistreichen Aphorismus. Etwas von
diesem Salze finden wir auch in Hegenbarths
Radierungen; am liebsten ist
er uns allerdings, wo er sich ganz
inniger Beschaulichkeit überläßt, a. h.

^RAZ. Der Kunstverein veranstaltete
im Februar eine Sonderausstellung
von 47 Bildnissen und Studien von
Hermann Torggler, welche diesen
jungen Künstler als sehr geschickten
und geschmackvollen Porträtisten im
Geiste Lenbachs zeigte; manchmal freilich
verführt ihn seine Fertigkeit zur
Verwendung bequemer Rezepte. — Vom
17. März bis 5. Mai dauerte die herkömmliche
Frühjahrsausstellung des
Kunstvereins. Dabei wurden zum ersten
Male die von Staat und Stadt gestifteten Medaillen verliehen
; die goldene erhielten KarlO'Lynch v.Town
und Rudolf Riemerschmid, die silberne Hugo
Baar, Alois Penz und der Plastiker Adolf Pohl
für durchwegs ernste, schöne Werke. Das Streben
des Vereines nach Vorführung bedeutender Kunst
zeigt sich in einer ganzen Wand Lenbachscher Porträts
, zwei großen Bildern von Ludwig v. Hofmann
und sieben Zyklen KLiNGER'scher Radierungen
in Vorzugsdrucken (aus dem Besitze des
Sammlers Hugo v. Reininghaus). Die Wiener
Künstlergenossenschaft hat eine Kollektion mittelmäßiger
Bilder geschickt, die Verbindung für historische
Kunstwerke von Diez, Petersen und Janssen.
Sonst kamen noch von auswärts Sascha Schneider,

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