Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 13. Band.1906
Seite: 418
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-*=4c£> DIE XI. AUSSTELLUNG DER BERLINER SEZESSION <^=v>

Bluse zierliche Karos erhielt. Der allge-
gemeine Charakter von Evenepoels Bildern
stellt eine Synthese der Malerei vor von
Manet und Henri de Braekeleer. Von Manet
stammt die Vorliebe für gewisse Farbenkombinationen
, von Braekeleer die Neigung für
viele farbige Flecke und schönen Gesamtton
. Evenepoel war ein großes Talent, aber
eine etwas äußerliche Natur oder doch wenig-

KURT TUCH

Ausstellung der Berliner Sezession

stens noch nicht von der Oberfläche der Dinge
in ihr Inneres gelangt. Sein in rosaseidenem
Hemd und scharlachrotem Anzug steckender
blonder Maler (s. Abb. S. 412), der vor einem
kostbaren grünlichen Gobelin steht, ist ein
reines, allerdings prächtig gemaltes Effektstück
. Sehr viel besser, weil ohne Pose,
sind das Porträt eines schreibenden Mr. C.
und das ganz bescheidene Selbstbildnis (s.
Abb. S. 424), auf dessen grauem Wollhemd
die roten Hosenträger eine aparte Wirkung
machen. Und das beste sind vielleicht die
Kinderporträts, die direkt an bestimmte Bildnisse
Manets denken lassen, in denen aber

auch das Wesen der Kinder zum Teil sehr
glücklich getroffen erscheint. Das entzückende
Bild „Henriettes" (s. Abb. S. 421) ist im Todesjahre
des jungen Künstlers gemalt. Andere
Bilder, wie der „Festtag" in einem Pariser
Vorort, der „Jahrmarkt", „Im Folies-Bergere"
mit der rotbehuteten Dame in der roten Loge
und dem Blick auf die Bühne verraten wie
das „Cafe" die erfreulichste Neigung, das
Leben da zu packen, wo es am
tollsten brandet; aber man bewundert
in diesen Werken und auch
in den köstlichen Stilleben mehr
den Maler, der schon ein Meister
war, als den Künstler, der als
Mensch noch keine Physiognomie
gewonnen hatte. Immerhin bereichert
die Ausstellung der Evene-
poelschen Bilder, unter denen sich
noch ein großes, schwärzliches,
unvollkommen gebliebenes Arbeiterbild
, das Bild einer Dame in
blaugraugestreifter Toilette und
ein „Negertanz" befinden, dieKennt-
nisse der Berliner von guter Malerei
erheblich, ohne gerade die Herzen
besonders warm zu machen.

Dieses Nichtwarmmachen gilt
freilich auch für die Schöpfungen
M. Vuillard's, von dem man hier
sechs Dekorationen aus dem Besitze
des Prinzen Bibesco sieht.
Aber wie schön ist das, was er
gemacht hat! Man gerät nicht in
Versuchung, die Eindrücke, die
man von diesen gemalten Panneaux
empfängt, sich klarzumachen, diese
Gartenszenen mit modernen Menschen
(s. Abb. S. 427), diese Zimmer
, wo Blumensträuße und reizende
Frauenköpfe in eines verschmelzen
, vom Standpunkt des
Möglichen, der Wahrscheinlichkeit
zu betrachten. Man genießt sie
als entzückende Arrangements von Farben, die
mit exquisiten Nuancen die Sehnerven kitzeln.
Gewisse Partien in jenen Gartenszenen, die
perlgrauen Schatten in Gesichtern und Kleiderfalten
rufen förmlich nach der silberschimmernden
Seide des Gobelins. Ein höchst
origineller Künstler dieser Vuillard! Die von
seinem Freunde Pierre Bonnard ausgestellten
Dekorationen (s. Abb. S. 423) sind schon
mehr Bilder in dem üblichen Sinne und gegenüber
den prickelnden Arrangements Vuillards
von einer wohltätigen Ruhe. Man möchte
kaum glauben, daß Bonnard, dieser scharfe
Beobachter des großstädtischen Lebens, dieser

ABEND

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