Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 13. Band.1906
Seite: 426
(PDF, 172 MB)
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-*«4sö> VON AUSSTELLUNGEN UND SAMMLUNGEN <^=^

sitzt jeder Italiener eine sichere Intuition für das
Charakterisierende.

Der Krebsschaden ist der Hang zum Sensationellen
, zum Allegorieren und Symbolisieren. Natürlich
nur auf kolossalem Format, meist 4:5 Meter und
mehr. Da ist eine Riesenleinwand »Im Irrenhause*,
die an Panoptikumsstimmung nichts zu wünschen
übrig läßt, da sind historische Szenen aus allen
Jahrhunderten und allen Gebieten der italienischen
Geschichte. Das Symbolische gefällt besonders.
»Gewöhnlich glaubt der Mensch, wenn er nur Bilder
sieht, es müsse sich dabei doch auch was denken
lassen«.

Unter den einzelnen Landschaftern sind Cairati
— das Bild hing im Vorjahr im Glaspalast — und Fra-
giacomo zu nennen. Casciaro stellt eine ganze
Wand sicher gearbeiteter Studien aus. Der temperamentvolle
Napolitaner hat sie mit glitzernder Technik
hingemalt, und anspruchslos wie sie sind, dienen
sie ihrem Zwecke vollkommen — wie warme Semmeln
verkauft zu werden. Unsere Deutschen in
Rom, Brioschi, Roeder, Knüpfer, halten sich in
allzu bescheidenen Grenzen. Bei den Aktstudien,
die der Italiener nicht malen kann, da ihm über

einer allzu schwülen Sinnlichkeit der Sinn für die
Reinheit der Linie verloren gegangen ist, steht wie
schon seit Jahren Mengarini an erster Stelle. Auch
die Plastik schwankt noch zwischen dieser Sinnlichkeit
und lebloser Starrheit. Sonst zeigt sich ein
vergebliches Bemühen, von dem Akademismus der
letzten Jahrzehnte loszukommen. So wird es wirklich
einmal Zeit, mit nachdrücklichem Ernst namentlich
der jungen Mannschaft Italiens ins Ohr zu
rufen, daß ars et labor gut zusammenklingen, aber
nicht ars et otium. Dr. Uhde-Bernays

VON AUSSTELLUNGEN

UND SAMMLUNGEN

"DERLIN. Eine Ergänzung zur Deutschen Jahr-
hundert-Ausstellung bildet in Ed. Schuttes Kunstsalon
die Vorführung einer Reihe von Arbeiten
des 1868 kaum sechsunddreißigjährig verstorbenen
Mecklenburger Malers Otto Dörr, dessen Bild
»Bonnats Atelier« mit dem afrikanischen Aktmodell
als Mittelpunkt wohl keinem Besucher der Nationalgalerie
entgangen ist. Erweckt
schon dieses Bildchen die günstigste
Meinung von den Gaben
des Künstlers und seinem gesunden
Instinkt für das eigentlich
Malerische, so findet man
hier auch unter seinen Porträts
ganz erstaunliche Sachen, die
in Dörr einen seiner Zeit stark
vorangeeilten Künstler erkennen
lassen. Da ist das Bildnis seiner
blondgelockten Gattin als grande
dame in ganzer Figur in einem
grauen Kostüm mit ein wenig
Korallenrot, mindestens so gut
wie das beste Porträt von Magnus
und ganz entzückend als Geschmacksäußerung
. Ferner das
auf ein ganz zartes Grau gestimmte
ovale Bildnis seines
Vaters, das sehr lebendige Porträt
einer Frau von Stein — weiße
Toilette mit herabgesunkenem
dunkelblauen Umhang — gegen
Grau und als bewundernswertestes
das Bildnis einer Frau
Schöps, ebenfalls in Weiß mit
schwarzem Umhang gegen eine
rote Tapete. Dieser Dörr war
nach diesen Porträts nicht nur
ein guter Zeichner und geschmackvoller
Maler, sondern

m. vuillard

dekoratives gemälde
Ausstellung der Berliner Sezession

auch ein glänzender Charakteristiker
, der seine Jahre in Paris
gründlich zum Lernen benutzt
hat. Sein Bild, drei Schimmel
und ein paar französische Dragoner
vor einer Stallwand unter
blauem Himmel läßt an Fro-
mentin denken, ist aber kräftiger
, leuchtender, und zeigt für
die Zeit — 1857 — als Freilichtdarstellung
eine merkwürdig
fortschrittliche Gesinnung. Vorzüglich
wirkt auch das Interieur
eines mecklenburgischen Bauernhauses
, und ein paar Landschaften
erfreuen durch ihre
gesunde frische Farbengebung.

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