Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 13. Band.1906
Seite: 452
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-^^> VON AUSSTELLUNGEN UND SAMMLUNGEN KTs^

>Insel der Seligen« und »Pietä« der Berliner Nationalgalerie
und »Die Flora« in Klingers Besitz — und
Leibl's köstlichen »Bauernjungenc, ebenfalls aus
der Berliner Galerie. Böcklin ist mit jenen drei
Bildern erstmals dem englischen Publikum und
einem Teil der die deutsche Kunst bisher links
liegen lassenden englischen Kritik vorgeführt worden.
Was sagt man hier zu ihm? Der Timeskritiker,
der einen sehr sympathischen, auffallend warmen
Artikel über die deutsche Ausstellung inder Literaturbeilage
der »Times« gleich nach der Eröffnung veröffentlicht
hat, schreibt, was als typisch für die englische
Stellung Böcklin gegenüber gelten dürfte:
»Böcklin nimmt in der Schätzung seiner Landsleute
einen Platz ein analog zu dem Puvis de Chavannes
in Frankreich und G. F. Watts bei uns. Wir
sehen in ihm den Typus der Einbildungskraft
einer bestimmten Rasse. Er lebte lange in Italien,
und seine Kunst nahm Wärme und Farbe an durch
diesen Aufenthalt im Süden. Aber seine Einbildungskraft
blieb teutonisch. Unser englischer Geschmack
findet in seinen Konzeptionen vieles, das ihm fremd
und unsympathisch dünkt; er findet einen Mangel an
Vornehmheit in seinen Formen, an Delikatesse
in seiner Farbengebung. Eine eingehende Kritik
würde ihm wahrscheinlich eine gewisse Äußerlichkeit
der Konzeption vorzuwerfen haben, die dann
und wann an eine Theaterproduktion gemahnt. Aber,
ob er uns nun etwas zu sagen hat oder nicht, er ist
jedenfalls ein Mann, mit dem man rechnen muß, ein
Maler voll Erfindungsreichtum und innerer Stärke.«
— In der Ausstellung sind im ganzen 93 Künstler
vertreten; darunter 22 lebende aus München. —

EDVARD MÜNCH

Ausstellung der Berliner Sezession

Die Ausstellung gibt als Ganzes eine gute Uebersicht
des deutschen Kunstschaffens der Gegenwart. Und
zieht man die mannigfachen Schwierigkeiten und
Beschränkungen in Betracht, mit denen man trotz
der erfreulichen Freigebigkeit einer Reihe hiesiger
Kunstfreunde und des regen Interesses der hiesigen
Künstlerschaft — 13 englische Kunstkörperschaften
ließen sich die Organisation dieser Ausstellung angelegen
sein — zu kämpfen hatte, so darf das Resultat
als ein ganz vorzügliches bezeichnet werden.
Hoffentlich trägt es auch gute und viel ersehnte

Früchte. F. E. W. FREUND-London

O ERLIN. Im Künstlerhause gibt es einen ganzen Saal
voll schottischer und englischer Bilder, die nichts
sagen, was man nicht schon längst wüßte, und die man,
trotz der großen Namen ihrer Urheber, recht kühlen
Herzens betrachtet. Aus dem an sich guten Niveau
ragen vielleicht empor Priestmans >01d Watergate«
und »Stürmischer Abend« mit der Silhouette einer
Mühle gegen eine große,graue Luft. AlfredWithers
braunroter »Mühlengraben«, Austen Browns »Brennendes
Unkraut« mit den beiden Frauen am Kartoffelkrautfeuer
und Walter Cranes »Mäher«, der
als grimmer Tod Blumen in Menschengestalt auf
einer Wiese mit seiner Sense ums Leben bringt.
Karl Albrecht scheint durch den Erfolg, den er
im vergangenen Jahr mit seinem so unorganischen
Bildhauer in München errungen, weiter ermuntert
zu sein, Bilder von oberflächlich Leibischer Art zu
produzieren. Es fehlt dem beliebten Stillebenmaler
jedoch nahezu alles dazu, um in Leibis Nähe zu
kommen. Er ist ein recht minderer Zeichner und

gegenüber der lebenden
Natur ein höchst unsicherer
Maler. Die schwärzliche
Untermalungbedeu-
tet für Leibi im Grunde
nichts, und die herabhängende
Hand bei Albrechts
Porträtstudie einer
lesenden Dame gibt
dieser auch nicht die geringste
Anwartschaft darauf
, mit der »Kokotte«
des großen Meisters verglichen
zu werden. Erträglicher
ist des Künstlers
Art in dem Bilde
»In Gedanken« mit der
bei einem brennenden
Licht an einem Schreibtisch
sitzenden Dame.
Jedenfalls kommt in diesem
Werke des Künstlers
bester Vorzug, eine
stille Liebenswürdigkeif,
aufs angenehmste zur
Geltung.

CT. PETERSBURG. Die
^ diesjährige Frühjahrsausstellung
in der Akademie
der Künste umfaßt
331 Nummern. N.J.
Teschin's bestes Bild,
ein einer verwundeten
Frau helfender Student
mit Soldaten im Hintergrunde
, wurde von der
Zensur entfernt. Dasselbe
Schicksal wurde
noch fünf Kunstwerken

KINDERBILDNIS

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