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FERDINAND DORSCH
BILDNIS GOTTHARDT KUEHL
GOTTHARDT KUEHL
Von Max Morold
Der Name Kuehls hat einen guten Klang;
in Fachkreisen werden wenig andere
Namen mit so viel Respekt und Bewunderung
ausgesprochen wie der seine; denn wer mit
vom Bau ist, der muß die technische und
geistige Ueberlegenheit, das klare Wollen und
sichere Können des Dresdener Meisters fraglos
anerkennen; der darf sich nicht dadurch
eine Blöße geben, daß er die wundervolle
Harmonie in der Erscheinung Kuehls übersieht
oder leugnet; der Fachmann, der Kollege
wird in ihm stets ein Vorbild, einen Führer
zu erblicken haben, mögen auch die individuellen
Ziele jedes einzelnen grundverschieden
von denen Kuehls sein. Die Art, wie dieser
seinen Zielen zustrebt, wie er sich nie in
den Mitteln vergreift, nie hinter seiner Absicht
zurückbleibt und nie übers Ziel hinausschießt
, gewährt schon an und für sich, auch
abgesehen von den erlesenen Kunstwerken,
die dabei zustande kommen, einen künstlerischen
Genuß.
Aber das große Publikum? Ist auch diesem
der Name Kuehls geläufig? Verbindet es mit
ihm die rechte Vorstellung? Tritt es vor die
Bilder, die ihn tragen, mit Verständnis und
Teilnahme? Kann er populär werden? Diese
Fragen lassen sich nicht unbedingt bejahen.
Vor Kuehls Bildern bleiben viele Menschen
kalt und diejenigen, welche sich von ihnen erwärmt
fühlen, reagieren häufig nur auf einen
stofflichen Reiz, auf den Reiz des Dargestellten,
sie freuen sich der „poetischen" Architektur,
des „hübschen" alten Stadtteiles, des „interessanten
" Objektes der Kuehlschen Darstellung
, aber diese Darstellung selbst, die
Weise des Malers offenbart ihnen nicht ihre
Geheimnisse. Ein solches „interessantes" Objekt
ist beispielsweise die ehrwürdige Augustus-
brücke in Dresden, dieses herrliche Denkmal
einer längst entschwundenen Zeit, an das sich
auch bedeutsame historische Erinnerungen
knüpfen. Das Publikum schwelgt in diesen
Erinnerungen und berauscht sich an kulturgeschichtlichen
Phantasien, ohne ein Organ
dafür zu haben, welche rein malerischen
Aufgaben Kuehl zu lösen unternahm, als er
immer und immer wieder zur Augustusbrücke
Die Kunst für Alle XXI. 21. 1. August 1906.
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