http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_13_1906/0576
die Kunst herunter, sondern auch das Kaufen
von solchen und Leute, die nur Augen im
Kopfe zu haben scheinen, um damit nicht
gegen die Wand zu rennen, kaufen fast nur
schlechte Bilder. Und da solche Leute noch
immer in der Mehrzahl sind, besonders unter
denen, die Geld und Einfluß haben, werden
auch mehr schlechte Bilder gekauft als gute.
Man sehe sich doch nur die Bilder an, für
welche sich die Stadtregenten und Museumskommissionen
gewöhnlich begeistern, welche
von Kunstfreunden in Museen gestiftet oder
doch als Stiftung angeboten werden.
Der Arbeit des Schulunterrichtes, dessen
Resultate erst späteren Geschlechtern erkennbar
sein werden, soll die der Museen zu Hilfe
kommen, welche sich in erster Linie an den
reifen Menschen wenden und dort anknüpfen,
wo jener und die Fachbildung aufgehört haben.
Hier gilt es aber gerade alles Schulmäßige,
Pedantische zu vermeiden, dem Besucher
nicht den Kunstgenuß durch aufdringliche
Belehrung zu vergällen. Kein Magazin mit
reihenweise aufgestapelten Waren, nach dem
Material oder Alter sortiert; keine Flucht
von Ausstellungssälen, in welchen von den
Wänden die Bilder dichtgedrängt auf den
verschüchterten oder gelangweilten Besucher
herabsehen und gähnende, uniformierte Diener
sich trinkgelderlüstern herandrängen, soll ein
modernes Museum sein. Im Gegenteil, je
ungezwungener die Anordnung, je scheinbar
zufälliger die Verteilung, je weniger museumsmäßig
, desto besser. Die Behandlung und
Aufstellung von Kunstwerken soll eben wo
möglich selbst ein Kunstwerk sein. Da das
kulturgeschichtliche Prinzip für die Anordnung
künstlerisch das dankbarste ist, wird
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