Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 13. Band.1906
Seite: 530
(PDF, 172 MB)
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-^4sö> ANSELM FEUERBACH *C^^-

land zu eigen gemacht hat. Dort im Süden
hatte Feuerbach seit langem seine wichtigen,
denkbar günstigsten Stationen für die Oeffent-
lichkeit der Besucher: die Schacksche Galerie,
die Medea in der Neuen Pinakothek, die Iphigenie
in Stuttgart und in Karlsruhe Dante
und die edlen Frauen, wohinzu vor etlichen
Jahren durch konstitutionelles Landesereignis
das erste Gastmahl gekommen ist. In Berlin blieb
das zweite, prunkendere Gastmahl doch den
durchschnittlichen Besuchern meist verloren,
es blieb — wofür es nicht kann — im raschen
Eindruck eine prächtige Treppenhausdekoration
. Seinen Triumph im Berliner Aktualitätsstil
hatte Feuerbach zwar schon 1880, als
er soeben tot war. Es war die erste Feuerbach
-Ausstellungüberhaupt und war sein erster
zugegebener, unverleideter Erfolg. Aber der
Flugsand wehte davon, als die Ausstellung
wieder zugemacht war.

Diesmal aber setzt sich mit ruhiger Gewalt
die historische Logik durch. Eine allgemeine
ästhetische Entwicklung in Deutschland, eine
deutlich verlangende und suchende Sehnsucht

der spezifisch deutschen Kunst wird mehr und
mehr inne, daß sie schon in dem einzelnen
Feuerbach programmatisch vollzogen, vorausgenommen
war und daß sie bei ihm vorläufige
Erfüllungen, die Weiterdeutungen sind,
findet. Noch vor kurzem war es ein Wagnis,
hierauf hinzuweisen und auszusprechen, Feuerbach
sei als Künstler was er als bewußter
Mensch nur im Impuls der starken Anlässe
war — ein besonders echter Deutscher gewesen
. Die banalsten Einwürfe und Falschauffassungen
des Wortes waren sehr denkbar
. Aber nun sieht man mehr und mehr sich
als Erkenntnis durchsetzen, was damit einzig
gemeint sein konnte.

Die moderne deutsche Malerei verdankt
Frankreich ganz außerordentlich viel, ja, da
das wurzellose Blümlein Präraffaelismus rasch
genug in seine innere Welkheit zusammengesunken
ist, eigentlich alles. Frankreich
lehrte die Deutschen, die auch als Künstler
in erster Linie „Denker" und „Dichter" zu
sein suchten und dabei als Maler zwar unnötig
, aber tatsächlich zumeist recht herunter-

ANSELM FEUERBACH

SILEN MIT BACCHUSKIND (1847)

530


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