Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 13. Band.1906
Seite: 544
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-*=^> ANSELM FEUERBACH <^=^

ANSELM FEUERBACH GASTMAHL DES PLATON (1863, ERSTE FASSUNG)

einbaren lassen. Aber letzteres allgemein
gewiesen zu haben, bleibt Feuerbachs Verdienst
auch noch bei jener gewissen stofflichen
Umgrenzung in die Ferne. Im Grunde
aber ist diese, wie gesagt, nur scheinbar.
Er deutet doch in keine hinwegführende Historie
oder Ethnographie; nicht durch einen
chronologischen Abstand oder ein sonderes
Kostüm sind uns seine
Iphigenien und Medeen
fremd, sondern ganz allein
dadurch, daß sie nicht von
der Kleinheit und Gewöhnlichkeit
um uns her
sind.

Wir flüchten uns in dieses
Künstlers Welt, überlassen
uns der wundersamen
Wohltat und dem
Zauber, der von der reinen
Harmonie ihrer Empfindungen
und Farben ausgeht
, und während wir uns
entrückt fühlen in das
Reich einer edelsten Dichtung
, nehmen wir erst
wahr, daß diese Poesie gar
nicht der Illusionen bedarf
und nicht als solche sich
an uns wendet. Wir dringen
nach, und alles löst
sich in echtestes Leben,
in sogar sehr einfache Natürlichkeit
. Werden wir
nun erst ein wenig vertraut
, so sinken die Unterschiede ganz hinweg
zwischen den Gemälden im Lorbeergebüsch
und einem Damenbilde im norddeutschen
Frühling, das man ihm mit höhnender Ver-
ständnislosigkeit belachte*). Und immer wieder
stellt sich die Einheit eines Künstlers dar,
vor der die Stoffe und Arrangements gleich-
giltig sind, da sie gegründet ist auf die immer

gleiche innere Klassizität
eines höchsten Gefühls
für Form und auf die
Meisterschaft, diesem Gefühl
die Sprache des reinen
Ausdrucks zu geben.
Was „klassisch" im Sinne
einer Verwandtschaft mit
der Antike in Feuerbach
ist, das ist das Weiterführen
und Ueberwinden der
Beobachtung bis zur Selbstverständlichkeit
derKennt-
nis, des Urteils und der
Wahl: das innere Einswerden
mit der Welt des Natürlich
-Schönen und, aus
ihr geläutert verstanden,
die Unwillkürlichkeit der
Auslese aus der Wahrheit
der Erscheinungen. Von

ANSELM FEUERBACH

ORPHEUS UND
EURYDIKE (1869)

*) Es ist hier im Text
immer zunächst an jenes Breitenbild
mit den sechs Damen
gedacht, das man neuerdings
in der Jahrhundertausstellung
öffentlich sah (s. K. f. A.S.349).

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