Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 13. Band.1906
Seite: 546
(PDF, 172 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_13_1906/0638
~^^> ANSELM FEUERBACH <ös^-

da aus aber wird Feuerbach lediglich zu dem
Vereiniger, vor dem „Idealismus" und „Naturalismus
" und überhaupt die Ismen hinfallen wie
Stücke, die man aus einem Ganzen gelöst hat.
Die Summe ist: er erschaut, wie ich es schon
bezeichnet habe, eine reine unverlogene Natürlichkeit
durch den Adel einer zugleich zarten
und starken Empfindung hindurch, und so erreicht
er, während die Art aller „Richtungen"
etwas qualitativ wagerechtes behält, vom sicheren
Boden einer wohltuenden und anheimelnden
Wahrheit her die lichten Höhen einer
großen erschaffenden Kunst.

Kolorit ist das konzentrierte, potenzierte Spiegelbild
der uns umgebenden Dinge, die in der Schöpfung
zerstreut liegen: ihr verklärter Abglanz in einer poetischen
Seele. Es basiert stets auf dem innersten Naturgefühl
. Nur Blumen, wie sie der liebe Gott geschaffen,
lassen sich zu einem genußreichen Kranze winden.
Illuminist ist derjenige, der alles etwa brauchbare
zusammenstellt, um eine erträgliche Verblüffung zu erzielen
.

Der Künstler suche zuerst der menschlichen Erscheinung
nach allen Seiten hin gerecht zu werden;
endlich, bei mäßigem Schneidertalent, denke er auch
manchmal an eine etwaige Bekleidung.

GEDANKEN VON ANSELM FEUERBACH

Uns speziell ist Gottes Natur stets lehrreicher gewesen
, als die schönste Trödelbude.

Das wahre Kunstwerk braucht keine unberufene
Vermittlung zum Verständnis.

Das dekorative Element darf nie eine feinere und
edlere Kunst überwuchern.

Nicht will ich leugnen, daß es besser sei, sich im
Kleinen zu vervollkommnen, wenn man im Großen
nichts zu leisten vermag, allein dann soll man bescheiden
von Industrie und nicht immer von Kunst
sprechen. Lebensgroße, dekorativ arabeskenhaft konventionelle
Gestalten sind keine monumentale Kunst;
die muß unmittelbar aus der Natur und großen Auffassung
derselben hervorgehen.

Nach heutiger Begriffseinfalt wäre das der größte
Maler, der sich am meisten Zeuge anschaffen kann;
von Ritterrüstungen und Schränken nicht zu sprechen.

Die echte Historie kann nie zu einem"archäologischen
Zeit- oder Sittengemälde herabsteigen, sondern
sie muß in erster Linie das Sittlich-Große, Menschliche
festhalten, gleichviel, in welchem Kostüme sie sich zu
bewegen hat. Ein geistvolles Porträt, z. B. eines großen
Gelehrten der Gegenwart in modernster Kleidung,
kann demnach ein Historienbild par eminence sein.

Um ein guter Maler zu sein, braucht es vier Dinge:
Weiches Herz, feines Auge, leichte Hand und immer
frisch gewaschene Pinsel.

>Nur Erlebtes macht das wahre Kunstwerk*. So
spricht ein deutscher Kritiker. Hat Goethe, um im
>Fischen die Situation schildern zu können, sie zuerst
erleben müssen? Hat Leonardo dem Abendmahl
beigewohnt? Weil noch niemand Engel und
Kentauren gesehen hat, deshalb kann man sie nicht

malen ? Hat Mozart seine Melodien
erlebt oder hat er sie von
innen heraus geschaffen ? Hat
Erwin von Steinbach den Straßburger
Münster erlebt? Der
wahre Künstler geht sicher stets
mit offenen Augen durchs Leben.
So veranlassen ihn manchmal
auch einzelne aufgefaßte Züge
und Erscheinungen des wirklichen
Lebens, sie zu benützen,
sie vermittelst seines Könnens,
seiner Phantasie zu ergänzen
und zum Kunstwerk zu erweitern
. Dies geht nebenher in
jedem Künstlerleben. Der unwiderstehliche
, gottbegnadete
Schöpfungsdrang aber,- das ist
der Grund, der einzige Hebel
großen Schaffens. Feine Beobachtungsgabe
ist eine sekundäre
Anlage.

*

Das Wahre ist immer schlicht,
einfach, haarscharf; es verträgt
kein aufgebauschtes Gewand
.

ANSELM FEUERBACH

LANDSCHAFT MIT ZIEGEN (1873)

Das feinste Pathos liegt in
der Einfachheit.

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