Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 13. Band.1906
Seite: 551
(PDF, 172 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_13_1906/0643
-^£> VON AUSSTELLUNGEN UND SAMMLUNGEN <^-v-

ihren Räumen in Berlin selbst zeigten, darunter
das >Denkmal der Arbeit«, zur Aufstellung gebracht.

NÜRNBERG. Die Städtische Galerie hat das
Porträt des Prinzregenten Luitpold von F. von
Stuck angekauft.

KARLSRUHE. Den Reigen der zur Feier der goldenen
Hochzeit des badischen Großherzogspaares
hier geplanten Ausstellungen eröffnete der
Badische Kunstverein mit einer sehr interessanten
„Jahrhundert-Ausstellung" aus Karlsruher Privatbesitz
, die deutlich zeigt, daß selbst in einer relativ
kleineren Stadt wie Karlsruhe sich doch eine recht
große Zahl guter Werke aus dem Bereiche des verflossenen
, viel geschmähten 19. Jahrhunderts angesammelt
hat. Ausgehend von den Bahnbrechern der
modernen deutschen Kunst, wie Carstens, Koch,
Schick und Wächter, gelangen wir zu Rottman,
Preller und zu den älteren hiesigen Malern vor der
Gründung der Akademie im Jahre 1856, wie Kuntz,
v. Bayer, Ellenrieder, v. Schwind, Gründ, Winterhalter
, Gleichauf, Schweinfurth, Hörter, Klose, Feuerbach
und dem Dichter Jos. Viktor v. Scheffel, die
alle durch zum Teil sehr beachtenswerte und interessante
, wenn auch meist kleinere Werke vertreten
sind. Dann folgt das ZeitalterderGründung der Kunstakademie
unter Großherzog Friedrich, mit Arbeiten
von Schirmer, Lessing, Descoudres — der sich hier
als tüchtiger Porträtist von seiner liebenswürdigsten
Seite zeigt —, Lugo, Thoma, Tuttine, dem Berliner
Porträtisten Ernst Hildebrand, Dittweiler, Pöckh,
Riefstahl, v. Bracht, Karl Hoff, Baisch,
Kanoldt, Goetz und v. Meckel, von denen
die meisten leider bereits verstorben
sind. Ihnen schließen sich die bekannten
Repräsentanten der modernen Karlsruher
Kunst würdigst an, von denen
inzwischen einige wieder, wie Claus
Meyer, Graf Kalckreuth, H. Zügel,
Poetzelberger, Kallmorgen und Carlos
Grethe uns den Rücken gekehrt haben.
Den Beschluß machen eine Anzahl Vertreter
älterer und neuerer Düsseldorfer
und Münchener Kunst, wie die beiden
Achenbach, die Familie Adam, Heinlein
, Spitzweg, Lenbach, Albert v. Keller,
Piglhein, Wenglein u. a.

CRANKFURT a. M. Der neue Cranach
* des Städelschen Instituts (s. Abb.
S. 552). Im vorigen Jahre erst ist dem
Städelschen Institut durch den Ankauf
der >BlendungSimsons< von Rembrandt
eine Erwerbung von hervorragendster
Bedeutung gelungen. Seit kurzem ist
die Galerie aber wiederum um ein Werk
bereichert, welches man in seiner künstlerischen
und kunstgeschichtlichen Bedeutung
als >unique< bezeichnen muß.
Es ist ein großes dreiteiliges Altarbild
von Lucas Cranach d. Aelteren, aber
keines der typischen Erzeugnisse aus
der späteren Zeit dieses allzu produktiven
Meisters, sondern eine Schöpfung
eigenster Art, die von neuem und in
überraschendster Weise zeigt, daß dieser
Künstler eine Epoche hatte, wo er den
größten deutschen Meistern ebenbürtig
war. Das Bild ist tatsächlich auf die erste
Epoche des Meisters datiert (1509), und
die Inschrift macht durch die Namensbezeichnung
»Lucas Chronus« das

Bild zu dem einzig existierenden Werke Cranachs,
das seinen vollen Namen trägt. Dies läßt allein
schon auf seine exzeptionelle Bedeutung schließen,
und die zwischen den Gestalten der heiligen Sippe
dargestellten Porträts geben sogleich den Hinweis,
daß das Bild als ein hervorragender fürstlicher Auftrag
gemalt war. Auf Grund von urkundlichen Nachrichten
läßt sich dieser Altar in der Tat mit einem
bisher verschollenen Hauptwerk des Meisters identifizieren
, dem Torgauer Fürstenaltar, den Johann der
Beständige gemeinsam mit Friedrich dem Weisen
zur Erinnerung an seine verstorbene Gemahlin
stiftete. Dieser Altar ist seit dem 17. Jahrhundert
aus Torgau verschwunden. Das Bild bedeutet in
seinem künstlerischen Charakter eine Ueberraschung
auch für den, der die Frühzeit Cranachs und ihre
Bedeutung kennt. Zunächst schon auffallend die
eigenartige Komposition, die entschieden unter dem
Eindruck italienischer Kunst entstanden, einen Bildeindruck
gibt, der in der deutschen Kunst nicht wieder
vorkommt. Eine seltene Bewußtheit in der durchdachten
Anordnung der Figuren, die Flügel in der Gesamtkomposition
hineinbezogen, ganz überraschend
für diese Zeit die italienische Loggia in der Mitte
mit den drei Porträts. In den Einzelmotiven und
der Durchführung sehr viel Liebe und frische Beobachtung
, an den Seiten zwei köstliche deutsche
Landschaften. Hervorragend ist auch die Farben-
gebung, die in ihrem Reichtum und der überlegten
Art der Verteilung einen Vergleich mit Grünewald
nahelegt. Kunstgeschichtlich gibt das Bild überdies
durch seine Beziehungen zur italienischen und

anselm feuerbach

die stiefmutter des
künstlers (1878) « « «

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