Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 13. Band.1906
Seite: 556
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-s^s£> DIE DEUTSCHE KUNSTAUSSTELLUNG IN KÖLN <^v-

hier abgebildeten beiden Gemälde, die „Dolle
Boel" (eine Gesellschaft von betrunkenen
Männern und Weibern (s. Abb. S. 557) und
dann der den Quietschton der Harmonika
mit seinem Gegröhle begleitende „Sänger
am Rhein" sind charakteristische Proben —
freilich, die rein malerischen Reize kommen
in keiner Reproduktion so recht heraus. Dazu
wären dann noch die beiden forschen Selbstporträts
— das eine mit dem Schnapsglas! -
zu nennen und das „Cafe chantant", das große
„Düsseldorfer Schützenfest", vielleicht das
an humorvollen Einzelbeobachtungen aus dem
Volksleben reichste; und eine Reihe der prachtvollsten
Einzelstudien (z. B. die „gröhlende
Alte"), mit breitem, flotten Pinsel hingehauen,
schier als ob ihn Frans Hals führte. - - Wieder
eine ganz andere, aber künstlerisch nicht
minder fesselnde Erscheinung ist Wilh.
Schreuer. Das hier abgebildete „Rheinufer"
(s. Abb. S. 570) ist in seinem fast monochromen,
nur mit etwas Schwarz versetzten Gelb nicht
nur malerisch interessant, es ist auch gut gesehen
, namentlich in der zitternden Wellenbewegung
der Stromoberfläche. Schreuers
Force aber ist der Impressionismus der Bewegung
, etwa eine „Husarenkapelle" oder
Straßen- und Brückenbilder, oder der „Kölner
Karneval" ; da will eben der Faschingszug, umtollt
von sprühender Ausgelassenheit, in all

seinem Farbengewoge und Goldflitter durch
eine Straße der Altstadt schwanken. In jeder
Hinsicht zu seinem Vorteil unterscheidet sich
dieses Bild von K. Jordan's „Kaiser Sigismund
in Straßburg" (s. Abb. S. 565): da sieht man
die lachenden, tanzenden Frauen in anmutigen
Stellungen, aber eine jede eben doch nur „gestellt
", ohne rechte glaubhafte Bewegung; und
die zarten Farben sind geschmackvoll gewählt,
aber sie fallen auseinander, und das Ganze
ist nicht zur Einheit verbunden.

Zu den Künstlern, auf die der Verband
seit seinem Entstehen mit Nachdruck hingewiesen
hat, und die demgemäß auch hier
gebührend vertreten sind, gehören ferner
A. Deusser (Düsseldorf) und E. R. Weiss
(Hagen). Von wundervoller Kraft und Sattheit
des Tones sind die kleinen Landschaften
des ersteren, in die er mit Vorliebe einzelne
Reiter oder auch ganze Kavalkaden setzt, die,
in ihrer Bewegung sicher beobachtet, ganz
prächtig mit dem frischen Grün zusammenklingen
. E. R. Weiss zeigt Blumen- und
Fruchtstücke von so schöner Malerei, daß sie
nur noch K. Schuch (1846—1903) — hier
auch mit einem guten Stück derart vertreten —
überboten hat. Ferner das „Liebespaar unterm
Sternenhimmel", stimmungsvoll in der verhaltenen
Leidenschaft, die die Liebenden
atmen, und die tiefblaue sternklare Nacht.

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