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-^4sö> DIE DEUTSCHE KUNSTAUSSTELLUNG IN KÖLN <^p-
Sehr schön ist auch das Porträt (Tempera)
der Frau des Künstlers (s. Abb. S. 564) in
blauem Kleide mit schwarzem Spitzenschal
vor graublauer Tapete; von eigenem Reiz
das blonde Haar, die zarte blonde Haut und
die weißen und roten Rosen in der Vase,
das ganze ein Urbild vollgesunder Fraulichkeit
. Auch der Stuttgarter Haueisen ist
in diesem Zusammenhange zu nennen; seine
Landschaften sind naive, etwas zu sehr durch
Thoma beeinflußte Stilisierungen von Naturausschnitten
; das liebevolle Porträt seines
Bruders ist ein feines Bild von ruhiger Größe,
brillant gemalt sind die „Italienerin" und ein
kleines Blumenstück. — Carlos Grethe ist
mit einigen seiner rauch- und dampferfüllten
Hafenbilder vertreten; Clarenbach, der junge
Düsseldorfer, mit stimmungsvollen und gut
gemalten Landschaften: sein großes Gemälde
„Winter an der Erft", mit Recht viel bewundert
, reizt zum Vergleich mit Leistikows
„Rauhfrost", der in der heurigen Berliner
Sezession hängt. Vielleicht aber noch schöner,
wenigstens als eigentliche Malerei, ist ein
anderes Bild von Clarenbach: „Februar", eine
Straße mit abschmelzendem Schnee. Eine
flotte, kecke Malweise, der man auf dieser
Ausstellung nicht allzuoft begegnet, vertritt
der junge Straßburger H. O. Beecke, in Bildnissen
und Genrestücken; zuweilen wirkt
allerdings diese breite Pinselführung, zusammen
mit lauten Farben, patzig und allzu jugendlich
. Ausgereiftere Künstlerschaft verraten
die Bildnisse von B. Pankok, besonders das
des Dr. Scheible, das stark und unmittelbar
das Wesen dieses Mannes erfaßt hat und den
Augen ein Wohlgefallen ist durch den Zusammenklang
von Braun, Schwarz und Grün.
Mehr nach der Seite der dekorativen Gesamthaltung
und der vornehmen Auffassung bewegt
sich R. Böninger in seinem Porträt
„Dame in Rot" (s. Abb. S. 554): die Kompo-
GERHARD JANSSEN
DOLLE BOEL
Deutsche Kunstausstellung Köln 1906
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