http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_13_1906/0654
~^^> DIE DEUTSCHE KUNSTAUSSTELLUNG IN KÖLN <^=^
LUDWIG HABICH ERNST LUDWIG, GROSSHERZOG
VON HESSEN c
Deutsche Kunstausstellung Köln 1906
sition dieser zurückhaltenden, etwas müden
Farben und die Stoffmalerei des changierenden
(himbeerfarbenen) Kleides lassen an Sargent
denken. Andrerseits liegt ein Vergleich nah
mit F. A. Kaulbach's „Fräulein G." (s. Abb.
S. 573), einem Bilde, in dem gleichfalls viel
gute aristokratische Tradition lebt; da steht
das weiße Kleid gegen dunkles Gebüsch, und
einige zart violette Töne geben süße Reize.
Himmelblau sind diese in neutral gehaltene
Fläche gesetzten Akzente auf J. Lavery's
Doppelbildnis „Mutter und Kind" und stehen
hier geschmackvoll gegen dunkelgelbe und
hellbraune Töne. — Die beiden letztgenannten
Bilder gehören zu einer Sonderausstellung
von etwa 70 Bildnissen Kölner Bürger, die
ein Appendix der Ausstellung ist, ebenso wie
die kleine Kollektion ausgewählter Empiremöbel
aus dem Besitz des Großherzogs von
Hessen und des Königs von Württemberg.
In der Porträtausstellung findet man aus
unserer Zeit Bildnisse von Lenbach, Samberger
, Gussow, dann einen verunglückten
Segantini usw.; namentlich aber drei, alle
anderen weit hinter sich lassende Porträts
von Leibl.
Es wäre, hier anschließend, noch von dem
sog. „Deutschen Saal" zu reden, der den gut
gemeinten und interessanten, aber im ganzen
doch ohne gewaltsame Konstruktion nicht als
gelungen zu betrachtenden Versuch bedeutet,
„ob durch eine Zusammenstellung mit alten
Werken allerlei Besonderheiten an modernen
deutschen Bildern, die bei der Herrschaft des
Impressionismus leicht rückständig scheinen
könnten, sich nicht als wesentliche Merkmale
deutscher Malerei zu erweisen vermöchten,
so daß in einer solchen Vereinigung von alten
und neuen Bildern das Gesamtbild der deutschen
Malerei reicher und einheitlicher aussähe
, als wir es gewöhnlich meinen". Da
sieht man denn neben Dürer und seinen Vorgängern
und Zeitgenossen die vermeintlich
deutschesten Künstler des 19. Jahrhunderts,
558
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_13_1906/0654