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~*=^ö> NEUE KUNSTLITERATUR <ö^~
ADOLF OBERLÄNDER DER PHILOSOPH UND DIE VIEHHERDE
Deutsche Kunstausstellung Köln 1906
Die Kunstsammlung des kgl. Professors
Dr. Wilhelm von Miller in München. Ein
Folioband mit 78 Seiten Text und 39 Tafeln in Lichtdruck
. Geb. 30 M. München, Verlagsanstalt F.
Bruckmann A.-G.
Mit welch sicherem Urteil, gewähltem Geschmack
und stets wachsender Erfahrung Wilhelm v. Miller
zu sammeln wußte, davon gibt der vorliegende
stattliche Katalog ein beredtes Zeugnis. Neben
einer erlesenen Warrensammlung, deren Serien
von Schwertern, Dolchen, Helmen und Rüstungsteilen
besonders beachtenswert sind, finden sich
Werke der Edelschmiedekunst in großer Zahl und
von hervorragender künstlerischer Bedeutung. Nicht
minder reich ist die Sammlung von Werken der
Holzplastik, von Gegenständen aus Ton, Glas und
Fayencen. Der Katalog zählt im ganzen 556 Gegenstände
auf, von denen 160 auf den Tafeln in vortrefflichen
Abbildungen wiedergegeben sind. Die
Abfassung des Kataloges lag in der Hand des
bekannten Münchener Kunsthistorikers Dr. Ernst
Bassermann-Jordan, der es durch seine sachlichkritischen
, von einseitig-persönlichen Werturteilen
freien Angaben dem Leser ermöglicht hat, sich
ein eigenes Urteil über die Kunstgegenstände zu
bilden.
Adolf Grabowsky, Der Kampf um Böck-
lin. Berlin 1906. Verlag Siegfried Cronbach. Preis
M. 2.50.
Ob für oder gegen Böcklin die verschiedenen
Schriftsteller schreiben, wird nachgerade ganz gleichgültig
, aber sehr boshaft könnte man über die viele
Böcklin-Schreiberei überhaupt werden, denn schließlich
wird von all den Schriften über Böcklins Kunst
das Gedächtnis unwillkürlich so belastet, daß der
Genuß an Böcklins unsterblichem Werk beeinträchtigt
wird. Obwohl nun Grabowsky sich mit Recht
gegen Meyer-Gräfe wendet, der Ton, in dem die
ganze Schrift geschrieben, hat für solche, die den
Aristokraten Böcklin lieben, nichts Sympathisches.
Neue Bädeker. Bekanntlich hält der Engländer
sehr darauf, möglichst nur Produkte des eigenen
Landes zu gebrauchen; von dieser Regel gibt
es nur wenige Ausnahmen. Eine der bemerkenswertesten
bilden die englischen Ausgaben von Bäde-
kers Reisebüchern, welche der eigenen Produktion,
den Murrays, durchweg vorgezogen werden — das
größte Kompliment, das deutscher verlegerischer
Arbeit gemacht werden kann. Von den in diesem
Jahre erschienenen neuen Bänden heben wir als
für unsere Leser besonders wichtig hervor: Unteritalien
(M. 6.—), Spanien und Portugal (M. 16.—) und
Aegypten (M. 15.—).
U n teritalien liegt jetzt in 14. Auflage vor. Der
Band umfaßt auch Sizilien, Sardinien, Malta, Tunis
und Korfu, bietet also auch denen genug, die ein
wenig von den näheren Inseln und Küsten des
Mittelländischen Meeres genießen wollen. Was aber
das Buch gerade für kunstfreundliche Leser wertvoll
macht, das ist die andauernde Sorgfalt, die der
Herausgeber auf die Heranziehung des Reisenden
zum Genuß der Kunstwerke verwendet. Die Einführung
in die Geschichte der antiken Kunst von
Professor R. Kekule hat längst selbst das Prädikat
>klassisch< erhalten, die Schilderung Pompejis
stammt von Professor Mau, die Antiken des Nationalmuseums
zu Neapel hat Dr. W. Amelung behandelt,
so sind also für die wichtigsten Kunstkapitel die
richtigen Leute gefunden, und der Reisende hat in
dem Buche nicht nur einen gewissenhaften Führer
in Bahnhöfen und Hotels, auch der, welcher auf
der Reise mehr als essen und trinken will, kommt
zu seinem Recht. — Spanien und Portugal erscheint
bereits in dritter Auflage. Schreiber dieser
Zeilen hat in demselben Jahr, als die erste Auflage
erschien — 1897 — mit dieser die Reise durch die
iberische Halbinsel gemacht, ja er hat geradezu
seine Reise bis zum Erscheinen eines spanischen
Bädekers verschoben und er hat es nicht bereut.
Bereits diese erste Auflage erwies ihre Superiorität
über englische und französische Reisebücher, welche
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