Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 14. Band.1906
Seite: 11
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BLICK ÜBER SAALECK UND DAS LANDHAUS PAUL SCHULTZE-NAUMBURG

MEIN LANDHAUS IN SAALECK

Beim Bau meines Landhauses in Saaleck
waren für mich folgende Bedingungen
maßgebend. Das Terrain zieht sich auf einem
Felsen über dem Flusse entlang den Berg
hinauf und fällt nach hinten, dem Dorfe zu,
allmählich ab. Um die außerordentlich freie
und aussichtsreiche Lage zu benutzen, mußte
ich das Haus auf den Rand des Felsens setzen
(vgl. Abb. S. 12) und zwar ungefähr in die
Mitte des langen Sattels zwischen dem Bahneinschnitt
vorn und dem höheren Berge hinten.
Das Haus ganz auf den Berg hinaufzusetzen,
hätte manches Unzuträgliche, wie schlechte
und schwierigeZufahrtswege, Mangel an Quellwasser
unter Druck u. a. mit sich gebracht.
Ebenso wie der Bauplatz ergab sich die weitere
Gestaltung des Hauses aus den Verhältnissen
heraus. Eine breite niedrige Lagerung
des Hauses hätte erstens viel Raum von den
schönen Gartenterrassen weggenommen, die
sich oberhalb der Felsen bilden ließen, zweitens
hohe Baukosten verursacht, und drittens
hätte das Obergeschoß nicht eine so außerordentlich
umfassende Aussicht nach allen
vier Himmelsrichtungen erhalten, wie es jetzt
der Fall ist.

Für die innere Gestaltung lagen folgende
Bedürfnisse vor. Das Ganze sollte ein behagliches
Landhaus zum Alleinbewohnen für
eine Familie sein. Das Treppenhaus mußte
deswegen als bewohnbarer Mittelpunkt ausgebildet
werden, ohne indessen durch zu viel
Platzverschwendung die Baukosten allzusehr
zu erhöhen. Ein großer Arbeits- und Bibliotheksraum
mußte eingebaut werden, der 9 m
breit, 12 m lang und 6 m hoch sein sollte.

Das ergab die Hauptschwierigkeit. Es ist
eine Kleinigkeit, einen so großen Raum zentral
zu lagern, jedoch sehr schwer, ihn abseits
von allen Zimmern, vollkommen ungestört,
zu legen, ohne das Haus malerisch in verschiedene
Gebäudegruppen oder doch mindestens
Glieder aufzulösen. Das verbot, wie
oben schon angedeutet, der Bauplatz und
einige andere Umstände. So ergab sich der
Grundriß, wie er auf Seite 14 angeführt ist.
Der Haupteingang führt in einen Windfang
mit angegliedertem Toilettenraum und dann
in die Treppenhalle. Vom ersten Treppenpodest
aus betritt man das Speisezimmer,
das unmittelbar über der Küche liegt und
mit der Anrichte durch einen Aufzug verbunden
ist. Eine Treppe führt in die tiefer
gelegene Bibliothek hinunter.

Das Hauptgeschoß enthält Wohnzimmer,.
Musikzimmer, Boudoir, Schrankzimmer, Toilettenzimmer
, Schlafzimmer und Bad. Das
Bad hat einen ovalen Grundriß bekommen;
die pilastergetragene Kuppel durchbricht die
Decke. Das Bassin ist vertieft in eine Nische
nebenan eingelagert.

Der ins Dach eingebaute Oberstock enthält
Kinderzimmer, Fremdenzimmer, kleines
Arbeitszimmer und einige zur Disposition
stehende Räume. Eine Laterne bildet die
Dachkrönung, von der die Aussicht die freieste
ist. Sämtliche Wirtschaftsräume sind in das.
Souterrain gelegt.

Für die Formengebung wurde mir der
Grundsatz maßgebend, mich in keiner Weise
puristisch einem historischen Stil anzuschlies-
sen und dabei doch den schlichten heimatlichen

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