http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_14_1906/0041
-5-^> STEIN UND EISEN ^(^^
Gedanken müssen ferne gehalten werden. Eine
Eisenbahnbrücke mit mächtiger Spannung
wirkt nie schön im höheren Sinne, vor allem
nicht in der Landschaft, weil sie nicht, wie
eine Steinbrücke, gewachsen erscheint, weil
es ihrem Gesträhn, das überall die Luft
hindurchblicken läßt, an Masse fehlt; aber
man empfängt doch den Eindruck von Kraft
und Mächtigkeit. Wenn alle unsere Bauwerke
zugrunde gingen und nur solche Ingenieurwerke
der Nachwelt erhalten blieben, müßten
die Enkel hohe Achtung vor der kühnen
Intelligenz unserer Zeit gewinnen. Aber diese
Gebilde müssen dann nur sein wollen, was sie
sind. Es ist Wahnsinn, die höhere Aesthetik
retten zu wollen, indem man den Eisenkonstruktionen
historische Kunstformen gesellt.
Nie geht das zweckvoll Nützliche, das naturalistisch
Charakteristische mit dem zwecklosen
Schönen zusammen. Es sind zwei Welten;
darum wirken unsere Eisenbrücken so häßlich
, wenn ihr Mauerwerk in irgend einem
FENSTERVORSETZER: VIER JAHRESZEITEN e ENTWORFEN U. AUSGEFÜHRT VON GLASMALER KARL ULE, MÜNCHEN
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