Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 14. Band.1906
Seite: 35
(PDF, 133 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_14_1906/0046
-sy=4^> STEIN UND EISEN <ö^~

Velde haben es schon versucht, und es ist
vor allen diesem letzten Künstler im Folkwang-
Museum (Hagen i. W.) sehr glücklich gelungen
(vgl. Oktoberheft 1902). Vor van de Veldes
Putzformen erkennt man sofort, daß Eisen
darunter ist; sie sind aus dem Notwendigen
abgeleitet und zeigen doch die Tendenz zur
Befreiung vom profanen Zweck. Wenn solche
Formen sich nach dieser Richtung logisch
entwickeln, werden sie einst Schönheitsqualitäten
zeigen, von denen es gleichgültig ist,
ob sie tatsächlich noch die Funktionen des
Eisens erklären, oder ob sie nur ihrer selbst
wegen da sind. Die aus dem Naturalismus des
unmittelbaren Zweckes gewonnenen Schönheitsideen
können, wie die Geschichte lehrt,
wenn ein gewisser Reifepunkt erreicht ist,
diesen Zweck ignorieren und sich als Phantasiebildungen
vervollkommnen. Wie sich die
griechischeldealform von der praktischen Holzkonstruktion
ableiten läßt, könnten sich für
eine Baukunst der Zukunft so allein einige
neue Formen aus der Verwendung des Eisens

gewinnen lassen. Hier ist ein schmaler Weg,
um aus dem Labyrinth der historischen Stile
zu Eigenem zu gelangen; ein Prinzip zeigt
sich, das zu lebendigen Resultaten führen
kann. Freilich scheint es, als hätte das Eisen
in der Profanarchitektur nicht die große Zukunft
, von der man vor kurzem noch geträumt
hat. Die Trägereisen werden hier und dort
schon von neu erfundenen, sehr widerstandsfähigen
betonartigen Massen verdrängt. Für
die Kunst ist das alles nur wichtig, wenn sie
fähig ist, aus Zweckbildungen schöne Formen
abzuleiten, und wenn sie, sobald es geschehen
ist, die Anregung wieder vergessen kann, um
die abstrahierte Form in die hohe Stilkunst zu
retten. Alle Konstruktion darf nur Ausgangspunkt
sein. Vom Zweckgedanken empfängt die
gestaltende Phantasie den Anstoß, dann entfernt
sie sich weit vom Profanen, und erst
wenn ihr die reife Schönheitsform gelungen
ist, läßt sie sich, Almosen austeilend, zur
Nutzarchitektur wieder herab. Aus der Verwendung
des Eisens wird der Kunstgedanke

PAUL HAUSTEIN «TOILETTESPIEGEL U. DREITEILIGER GARDEROBESCHRANK AUS DEM SCHLAFZIMMER (VGL. S. 34)
AUSGEFÜHRT VON DEN „VEREINIGTEN WERKSTÄTTEN FÜR KUNST IM HANDWERK", MÜNCHEN

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