Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 14. Band.1906
Seite: 91
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-^-4sö> BÜRGERLICHE ZIMMER -C^^

WANDTEPPICH MIT AUFNÄHARBEIT « ENTWORFEN UND AUSGEFÜHRT VON ARTHUR DIENER, FURSTENBERG i. M.

BÜRGERLICHE ZIMMER

Im allgemeinen zeigt die Physiognomie moderner
Innenräume vieles von den persönlichen
oder allzu persönlichen Eigenheiten des
Künstlers, der sie entwirft, meist sehr wenig
jedoch von den eigenen Nuancen dessen, dem
sie bestimmt sind. Es scheint schwierig, zwischen
diesen Momenten einen Ausgleich zu finden
. Denn die künstlerische Selbstherrlichkeit
glaubt, alle Welt könne beständig die gleiche
sensitive Farbenzusammenstellung und die
Hirngespinste einer pathologischen Ornamentik
um sich sehen. Anderseits entscheidet
für den modernen Gesellschaftsmenschen nicht
die persönliche Forderung, sondern das allgemeine
Niveau. Für dieses aber ist die
marktschreierische Kostbarkeit des Materials
ausschlaggebend, ein Gesichtspunkt, der ästhetisch
sehr zu wünschen übrig läßt.

Was uns heute fehlt, ist eine gesunde und
ehrliche künstlerische Auffassung, die auch
der Anforderung der bürgerlichen Mehrheit
entgegenkommt. Hier liegt der Grund der
allgemeinen Teilnahmslosigkeit. Unsere modernen
Ausstellungszimmer entsprechen meist
in keiner Weise der üblichen Lebensgewohnheit
. Denn das bürgerliche Zimmer verlangt
nach Brauchbarkeit und nach gewissen persönlich
bestimmten Erfordernissen des alltäglichen
Lebens, nach Dingen, an die man heute
wenig zu denken pflegt.

Auf der Großen Berliner Kunstausstellung
sind in diesem Jahre Wohnräume zu sehen,
die in jener Beziehung einige entwicklungsfähige
Anschauungen enthalten. Ein Wohn-
und Speisezimmer nebst Wintergarten von
Alfred Altherr und ein Jagdzimmer von
B. von Hornstein. Wenn diese Räume hier
auch bei weitem nicht als mustergültig hingestellt
werden, so bilden sie dennoch in ihrer
gesunden Natürlichkeit ein angenehmes Gegenstück
zur verschwenderischen Willkür der
heute üblichen Innenausstattung. Das Zimmer
Altherrs atmet sogar eine gewisse Gemütlichkeit
, eine Eigenschaft, die freilich längst als
veraltet gilt, und vielleicht ist es bedenklich,
ihr ohne weiteres zuzustimmen, wenn sie wie
hier zu großem Teile auf Kosten einer erheblichen
Einschränkung des Luftraumes
durch eine niedere Decke erreicht wird.

Die Farbenstimmung des Raumes wird im
wesentlichen durch das Dunkelgrün der Wandtapete
, den weißen Fries und das Ockergelb des
Möbelbezuges bestimmt. Man denkt an gewisse
Farbenklänge der Biedermeierzeit, die

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