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DIE BERLINER FÄCHER-AUSSTELLUNG 1905
Für die Paillettenstickerei, welche leider
schon seit Jahren vollkommen den Markt für
das elegantere Genre beherrscht und immer
banaler und aufdringlicher geworden ist, geben
Gertrud Pape und S. M. B. Kühn Anregung
zu reichen und zu einfacheren Stücken.
Ganz neue Perspektiven eröffnet die Verwendung
der Batiktechnik, wie sie Max
Fleischer-Wiemanns in meisterhafter Weise
beherrscht. Wir sind ihm sehr dankbar,
daß er in seinen Versuchen zugunsten des
Fächerblattes beweist, bis zu welchen Finessen
die Technik bei künstlerischer Beherrschung
dehnbar ist, und daß nicht nur Ornamentales
sich batiken läßt, sondern auch figürliches
Dekor. Durch die Eigenart des Färbeverfahrens
ist das Motiv auf beiden Seiten sichtbar
, es gibt also keine benachteiligte Rückseite
, ein großer Vorteil für den Fächer (Abb.
S. 99). Die einfachen Holzgestelle, auf denen
sich die Motive der Ornamente — teils gemalt
und teils geschnitten — wiederholen,
stehen ganz in koloristischem Einklang zu
den warmen Holztönen der Bespannung.
C. F. Morawe sandte Fächer, die sehr unabhängig
von der Mode, aber besonders eigenartig
sind. Die drei Stilfächer, in gelblichweißem
Elfenbein geschnitten, zeigen in ihrer
Verbindung mit kostbarem Federschmuck
eine sehr vornehme Wirkung. Das Mittelteil
des einen (Abb. S. 105) besteht aus durchbrochenem
Schildpatt; ein blaßroter Stein am
oberen Griffteil erhöht das festliche Gepräge;
an einem anderen bringt ein Mittelfeld zartblasser
gestickter Rosen einen feinen Kontrast
mit dem Elfenbeinton. Beide Stücke sind
auch auf der Rückseite mit gleicher Eleganz
und Sorgfalt ausgeführt. A. Oppenheim hat
in seinem ganz aus Horn geschnitzten Fächer
die alte Form wieder aufgenommen; die kostbaren
Deckstäbe, auf denen in Silber montiert
Perlmutter und Chrysopassteine aufgelegt
sind, zeigen das in allen Stäben sich
wiederholende Ornament in plastischer Weise.
Die Einsendungen für die Abteilung „Kunstdruck
und Schablone" waren nur spärlich
. In unserer Zeit der Originallithographie
und der Radierung hätte diese Gruppe sehr
Mannigfaltiges bieten können. Die Vervielfältigungsmöglichkeit
des Kunstdruckes und
der Schablone ist für die Industrie von größter
Wichtigkeit. Nur einige Arbeiten von
Franz Nager, Venedig, sind zu verzeichnen,
die mit zwei Farbplatten gedrucktgeometrische
und pflanzliche Motive zeigen. Sie sind für
die Herstellung billiger Papierfächer bestimmt, I
wie man sie in südlichen Ländern auf der I
Straße braucht. Diese Entwürfe und die Pa- j
pierfächer von Alice Trübner geben will- |
kommene Anregung zu weiterem Ausbau.
In der Ausnutzung der Schablone hat sich j
Elisabeth Weinberger mit großem Ge- |
schick versucht. Ihre vier Entwürfe auf I
Seide, zeigen in ihren Variationen, was sich T
damit im Gewerbe erreichen ließe. Diese I
scheinbar so anspruchslosen Sachen, an denen I
das große Publikum meist achtlos vorübergeht, j
sind aber künstlerisch wertvolle Anregungen. |
Die Entwürfe sind meist nur mit zwei Schab- 1
Ionen hergestellt (Abb. S. 108). Bei dieser j
Technik hat es der Künstler ganz in der Hand, I
seinen Eingebungen zu folgen und die Farben 1
bunt durcheinander von der Palette herunter T
über die einzelnen Schablonen zu streichen; I
dabei entsteht manch unberechenbarer Reiz, 1
den er geschickt benutzen muß. Sie ermög- j
licht Uebergänge, stärkere oder schwächere 1
Betonung und gibt Raum für individuelle Färb- 1
Wirkungen; sie geht auch schnell von der T
Hand, vorausgesetzt, daß erst die mühevolle I
Vorbereitung des Schablonenschneidens über- 1
wunden ist. Für Massenfabrikation wäre also j
die Schablonenarbeit sehr geeignet, besonders I
auch, weil bei aller Fabrikmäßigkeit leicht
jedes Stück etwas persönlich gestaltet werden T
könnte. — Auch als Grundlage für Stickereien |
ist die Schablone von großer Bedeutung, weil 1
Hand- und Nähmaschinenstickerei, sowie Pail- T
lettenauflage angewendet werden könnte. Viele I
der ausgestellten Flachornamente könnten auch 1
als Schablone durchgeführt ihre Reize haben, T
z. B. die Fächer von Ina von Lang (Abb. S. 110) I
und die Fächerentwürfe von Emil Orlik in i
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chinesischem und indischem Geschmack (Abb. T
S. 102). Andere gemalte Fächer tragen zwar I
den Charakter der Schablone, ohne aber die 1
Weichheit malerischer Uebergänge zu zeigen, T
wie bei Elisabeth Weinberger. Durch einen I
gleichmäßigen pastosen Auftrag deckender Far- j
ben anstatt durchsichtiger Lasurfarben sind T
Härten entstanden, die schablonenhaft wir- |
ken. Das müßte vermieden werden.
Die höchst interessante historische Abtei- T
lung, deren Inhalt, ca. 100 Nummern, aus I
deutschen Privatsammlungen stammt, ist unzweifelhaft
von großem Wert. Im Zusammen- T
hange mit der modernen Abteilung möge sie |
das Verständnis für unsere Absichten fördern 1
und der Fächerkunst neue Freunde zuführen. T
MARG ARF.TF. ERLER
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