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-5-^> DIE DARMSTÄDTER GARTENBAU-AUSSTELLUNG 1905 <^=s=-
BLICK VON DER ERSTEN TERRASSE AUF DEN BLUMENGRUND
gerundeten Form. Es mag Zufall sein; aber
durch dieses Fortlassen der geschwungenen
Linie geht viel Anmut der Bewegung verloren
, wie sie bei der alten Anlage aus den
Wasserbecken und Heckenbuchtungen spricht.
Und oft offenbart sich dadurch in den Formen
mehr ein arithmetisches Rechnen, als das
Herausfühlen abgewogener geometrischer Verhältnisse
. Allgemein ist auch das Fehlen der
gesetzgebenden Hausarchitektur. Das darf
man bei einer Ausstellung gewiß nicht allzu
übel nehmen, wenn es auch immerhin zu bedauern
ist, daß nicht wenigstens hier und da
der Versuch irgend eines Ersatzes für die Architektur
gemacht ist. Die meisten Vorführungen
hängen auf diese Weise ein wenig in der Luft,
weil die gestaltgebenden Gedanken keinen
sicheren Ausgangspunkt haben.
Nur bei den drei Olbr ich'sehen Gärten
kommt die Hausarchitektur nicht in Frage,
weil sie als schmückende Einbauten und nicht
als eigentlich selbständige Gärten gedacht sind.
Olbrich hat auf der ersten Terrasse nebeneinander
drei versenkte, achteckige, ummauerte
Blumengärten eingebaut und hat das Neue
durch rhythmische Abstufung der Terrassenfläche
nach der Böschung zu noch enger mit
dem Alten und unter sich durch Laubenbauten
verbunden. Die Verbindung nach dem tieferen
Blumengrund stellen zwei Sandsteinbrunnen
in edlen, strengen Formen und eine monumentale
Bank vor dem mittleren Garten her.
So sind die Gärten ein Teil der großen Anlage
geworden und wirken, jeder in einer einheitlichen
Farbstimmung, wie kostbare Edelsteine
, die als Schmuck in reizvoller Fassung
dem Ganzen eingefügt sind, ihm auch erhalten
bleiben sollen.
Olbrich hat mit diesen Farbengärten, dem
blauen, roten und gelben Garten, einen alten
Gedanken wieder aufgegriffen und persönlich
reizvoll belebt, der namentlich in englischen
Gärten in schöner Weise verwendet wurde:
mit großen Flächen einheitlich gefärbter Blüten
zu wirken. Und er hat das Mittel des
versenkten Gartenteils, das sich auch bei unseren
älteren deutschen Anlagen, aber namentlich
wieder in England findet, in neuer und
reizender Art zur Wirkung gebracht. So
ist neben dem Ausdruck des menschlichen
Willens, der aus der Einheit und dem Abstimmen
der Farben spricht, besonders lebhaft
das Gefühl der Klarheit und des Beherrschens
im Beschauer angeregt, wenn er
über die niedrige Mauerbrüstung oder durch
die Oeffnung der überwachsenen Lauben über
das geschlossene Bild des einzelnen Gartens
mit seinem feinen geometrischen Linienzuge
hinblickt. Die architektonischen Einbauten
geben für die Gestaltung jedes Gartens das
Gesetz: bei dem blauen Garten ist es ein
wuchtiger Sandsteinbrunnen in der Mitte,
beim roten ein längliches Wasserbecken, beim
gelben ein strohgedecktes Teehäuschen an
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