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LUDWIG HOHLWEIN
JAGDHAUS WINKLHOFER IN PENZING
LUDWIG HOHLWEIN
Die Moderne hat uns den Ausdruck „Wohnungskunst
" geprägt. Sie will damit nicht
allein die Möbel und alle jene unzähligen
Einrichtungsgegenstände, die uns Bequemlichkeit
und körperliches Genießen verbürgen,
zusammengefaßt wissen, sondern sie rechnet
dazu auch nachdrücklichst alle jene Imponderabilien
, die in ihrer Gesamtwirkung den
Raum, die Stimmung, das Milieu, oder wie
man es sonst nennen will, gestalten sollen.
Die zahlreichen Ausstellungen der letzten Jahre
haben uns zur Genüge gezeigt, wie man dieser
Idee Rechnung zu tragen suchte und versuchte
. Wie erfolgreich aber auch derartige
Darbietungen hinsichtlich ihrer absoluten
künstlerischen Einzelleistungen gewesen sein
mögen, so erschienen sie dennoch insoferne
höchst problematisch, als sich in solchen Ausstellungsräumen
der schwerwiegende Unterschied
des Eigenhauses und der Mietwohnung
nie darlegen läßt. Der Glaube, die Ueber-
zeugung, „daß man sich das alles nur im eigenen
Heim (d. h. Besitz) so machen lassen könne",
ist denn auch bis jetzt keineswegs erheblich
erschüttert worden. Die Möbel, die Beleuchtungskörper
etc., das alles könnte man ja,
zumal jetzt auch die Preise mehr der breiten
Masse des Mittelstandes gerecht werden, sich
kaufen, aber die gemieteten Räume — denn
damit haben doch die meisten zu rechnen —
mit ihren minderwertigen Tapeten in Gobelinoder
Brokatimitation oder „ä la Jugend und
Sezession" und mit den unvermeidlichen
Deckenmalereien und allen möglichen Gipszieraten
erscheinen der Mehrzahl als unüberbrückbare
Klüfte zur Erreichung solcher geschlossener
künstlerischer Raumschöpfungen,
wie sie ein Eigenhaus oder vorübergehende
Ausstellungen auszubauen gestatten. Zu zeigen,
wie sich auch in Mietwohnungen und mit
verhältnismäßig geringen Mitteln eine gesunde
gefällige Raumkunst entfalten läßt, das schwebt
uns zunächst vor, wenn wir unseren Lesern
einige Arbeiten des Architekten Ludwig Hohlwein
bieten. Dann aber glauben wir überhaupt
auf die Vielseitigkeit dieses frischen,
ursprünglichen und praktisch fühlenden Erfinders
auf dem Gebiete der dekorativen Künste
hinweisen zu sollen.
Das Oede, Unpersönliche, was den Räumen
unserer Mietwohnungen zumeist anhaftet,
sucht Hohlwein, dem Gedanken Rechnung
tragend, daß nicht zu viel in die Stätte ungewissen
Bleibens „gesteckt" werde, auf höchst
primitive Weise zu verbannen. Die Hauptaufgabe
bei dieser Metamorphose weist er
dem Zimmermaler zu. In dem Speisezimmer
(Abb. S. 142—145) entwickeln sich aus weiß-
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