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-^=4^> LUDWIG HOHLWEIN <&^a-
wie etwa bei dem Kinderspieltisch
oder seinem Büfettan Voy-
sey, oder bei dem Klavier an
Baillie Scott, ist viel weniger
als Nachahmung denn als eine
gewisse Gleichheit in der Anschauung
zu beurteilen. Immerhin
möchtemanihmempfehlen,
sich von solchen Anklängen
ganz zu emanzipieren und in
ernstem Ringen nach noch präziseren
, persönlicheren Ausdrucksformen
zu streben. Die
besten Ansätze dazu sind gegeben
.
Wir haben schon oben berührt
, daß Hohlwein ein
außerordentlich feiner Naturbeobachter
ist, der fast unbewußt
das Gesehene umstilisiert
. Die Verwandtschaft mit
Nicholson — wir sagen nicht
das Nachahmungsvermögen —
ist so groß, daß es schwer
hält, wie z. B. in dem Konversationszimmer
im Hotel
Continental, aus einer Bilderfolge
die HoHLWEiN'schen
Blätter herauszufinden. Diese
Gabe, aus dem Wirklichkeitsbilde
die für irgend eine Technik
geeignete Ausdrucksweise
herauszuholen, befähigt Hohlwein
ganz hervorragend für
die dekorativen Künste. Man
erinnere sich nur seiner lustigen
allbekannten Gläser, man
besehe sich darauf hin etwa
den Wandbehang mit dem
trefflich charakterisierten Raben
(Abb. S. 151). Auch in
miken bekundet sich häufig
zug,
ludwig höh
schlägen «a
lwein « gläserschrank: eichenholz mit kupferbe-
usgef. von der hofmöbelfabrik m. ballin, münchen
seinen Kera-
dieser Vor-
zum Teil auch in seinen Metallarbeiten.
Doch herrscht bei diesen letzteren mehr eine
Vorliebe für einfache geometrische und konstruktive
Formen vor, die eine kräftige Eigenart
verraten und in oder vielleicht gerade
durch ihre Einfachheit und die präzise Betonung
des Zweckes außerordentlich anziehend
und erfreulich wirken. Dieser persönliche
Stil, wie er sich z. B. in der Deckenbeleuchtungsanlage
(Abb. S. 148) in dem Blumenständer
(Abb. S. 150), oder in der Uhr
(Abb. S. 151) ausspricht, wie er in anderer
Weise sich dann in den Illustrationen, Plakatentwürfen
und in den figürlichen Zierformen
für Gläser, Keramiken, Intarsien,
Applikationen u. a. offenbart, läßt uns Hohl-
wein den Besten auf diesen Gebieten zuzählen
. Damit ist für einen tüchtigen Wohnungskünstler
schon eine Fülle wünschenswerter
Befähigungen und Voraussetzungen
gegeben, und Hohlwein hat es auch verstanden
, sie zu nützen. Speziell der Möbelkunst
in ähnlichem Sinne noch mehr persönliches
Gepräge zu geben, dürfte diesem
begabten und erfinderischen Raumkünstler
kaum erhebliche Schwierigkeiten bereiten.
Freilich müßten ihm — und das wäre dringend
zu wünschen — auch einmal entsprechende
größere Aufgaben gestellt werden, um an
ihnen erstarken zu können. Jedenfalls aber
verlangt, was Hohlwein bisher geleistet,
Achtung und Beachtung.
Dr. Philipp M. Halm
Dekorative Kunst. IX. 4. Januar 1906
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