Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 14. Band.1906
Seite: 146
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DIE MEISZNER PORZELLANMANUFAKTUR UND

DIE GEGENWART

Die eigentliche Geschichte der Meißner
Porzellanmanufaktur schließt mit dem
Jahre 1814 ab, mit dem Augenblick, als Graf
Marcolini, der vierzig Jahre lang die schwachen
künstlerischen Mittel der Zeit gegen den
wirtschaftlichen Niedergang des Landes hatte
kämpfen lassen, sein mühevolles Amt niederlegte
. Im 19. Jahrhundert verlernte man, die
Manufaktur unter die künstlerischen Anstalten
zu rechnen. Man lebte in Meißen
vom Kapital des einmal errungenen Weltrufes

LUDW. HOHLWEIN «SCHRANK AUS DEM SCHLAFZIMMER AUF SEITE 147
AUSGEFÜHRT VON DER HOFMOBELFABRIK M. BALLIN, MÜNCHEN

und schwamm in den trüben und schwerfälligen
Fluten der allgemeinen kunstgewerblichen
Produktion gleichmütig mit. Neue
technische Errungenschaften halfen wenig,
ja die 1827 erfundene Glanzvergoldung beförderte
nur den Verfall des Geschmacks.
Als sich nach der Uebersiedelung aus der
Albrechtsburg ins Triebischtal und infolge
des wirtschaftlichen Aufschwungs der siebziger
Jahre der Absatz hob, glaubte man schon
an eine „neue Aera". Im Jahre 1891 wurde
ein Ueberschuß von 658000 M.
erzielt, der höchste seit Errichtung
der Manufaktur. Zahlen reden
, dachte man, und niemand
widersprach. Jetzt aber kam der
Rückschlag. Die Erträge gingen
mehr und mehr zurück, und das
Jahr der Pariser Weltausstellung
1900 sah diese nicht nur auf weniger
als ein Viertel der oben
genannten Summe zusammengeschrumpft
, sondern öffnete auch
der Welt die Augen über das, was
das hochberühmte Institut künstlerisch
noch leistete. Wenn auch
die goldene Medaille, wie gewöhnlich
, nicht ausblieb: der Abstand
der Leistungen Meißens von denen
Kopenhagens und Sevres' war
so ungeheuer, die Versuche, Anschluß
an die moderne keramische
Bewegung zu finden, erschienen
so schwächlich, daß auch der historische
Teil, die Nachahmungen
der Modelle aus der Zeit Känd-
lers, den Eindruck nicht mehr
retten konnten.

Die Kritik, vor allem natürlich
die einheimische, hat seitdem die
Entwicklung der Manufaktur mit
wachsamem Auge verfolgt. Vielleicht
aber hätte selbst ihr schärfstes
Mahnen bei denen, die es anging
, nichts gewirkt, wäre nicht
der materielle Niedergang immer
deutlicher geworden. Im Etat des
Staatshaushalts 1904/05 nämlich
ist der Ueberschuß wieder mit
einem erheblichen Minus, nämlich
mit 45000 M. unter dem der letzten
Periode, d. h. mit 118000 M.
eingestellt

„Im Hinblick darauf,

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