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um das Haus wachsen Blumen mit seltsamen
Blüten, wie sie auf den Hintergründen der
alten Quattrocentisten, den Porträts eines
Domenico Veneziano oder Pisanello vorkommen
. Hinter dem Hause dehnt sich ein Rasenplatz
aus, der von einer Zinnenbrüstung abgeschlossen
wird. Von hier aus ist kein
anderes Haus zu sehen, und man schaut auf
das Bois de la Cambre wie auf einen unermeßlichen
Urwald hinab.
Ich nehme Abschied, die schwarze Tür
schließt sich hinter mir, und es herrscht
lautlose Stille wie zuvor. Hatte ich nur
geträumt? Meine Augen fielen auf die merkwürdige
Inschrift: „Passe-Futur." Ihr Sinn
war mir jetzt klar, und das Geheimnis der
Kunst Khnopffs war mir erschlossen. Unser
Leben liegt in der Vergangenheit, unser
Sehnen in der Zukunft, eine Gegenwart gibt es
nicht, aus Erinnerungen und Hoffnungen setzt
sich das, was wir unser Dasein nennen, zusammen
. Der Augenblick ist flüchtig, er ist und ist
nicht, unser Handeln, unsere Worte sind gleichgültig
, nur die Träume sind wahr und ewig,
die Wirklichkeit schattenhaft und vergänglich.
Ich hatte kein Auge mehr für Brüssel.
Die Equipagen des Bois, die Cafes der Boulevards
, die Banalitäten des Musee Wiertz, das
alles verblaßte bei dem Gedanken an das
„paradisartificiel", in dem ich eine Stunde hatte
verweilen dürfen.
Wolfram Waldschmidt villa fernand khnopff
die blaue nische
DIE DRITTE DEUTSCHE KUNSTGEWERBE-AUSSTELLUNG DRESDEN 1906
wird unter anderm einen Gedanken verwirklichen,
der zum ersten Male in einer kunstgewerblichen
Ausstellung auftritt: es sollen eine Reihe von
mustergültig ausgeführten Läden verschiedener Art
vorgeführt werden. Nach dem Entwürfe des Architekten
Fritz Schumacher wird gegenüber dem
Lingner-Pavillon ein längliches Gebäude aus Eisen
und Majolika aufgeführt, welches die Läden aufnimmt
. Dieses Bauwerk errichtet die Dresdner
Eisengießerei Kelle & Hildebrand im Verein
mit der keramischen Fabrik Schenck in Alt-Landsberg
, die durch ihr Steinzeug mit geflammten Lüsterglasuren
neuerdings ein höchst interessantes Material
für farbige Außenarchitektur liefert. Im
Innern werden eine Reihe hervorragender Firmen
nach künstlerischen Entwürfen Läden errichten. Es
sind unter anderem ein Bäckerladen, ein Kaffee-,
ein Likör- und ein Zigarrenladen in Aussicht genommen
. Auch eine bekannte Cake-Fabrik und ein
Friseur werden sich wahrscheinlich an dem interessanten
Unternehmen beteiligen.
Die umfänglichste Abteilung wird die des industriellen
Kunstgewerbes sein, die unter der Leitung
von Erich Kleinhempel steht. Es liegen so zahlreiche
Anmeldungen dafür vor, daß man schon jetzt
von einem großen Erfolg des ganzen Unternehmens
auch nach der Richtung der Industrie sprechen kann.
Die Kunstindustrie wird ein eigenes Gebäude aufnehmen
, das durch die bewährte Hand des Architekten
Prof. Tscharmann ein charaktervolles Gepräge
erhalten und sich dadurch wesentlich von den
basarartigen Bauwerken unterscheiden wird, die gewöhnlich
bei Ausstellungen der Industrie zufallen.
Die Mitte des in mehrere Flügel geteilten Hauses
wird fast ganz der Wintergarten der Firma Villeroy
& Boch (Dresden und Mettlach) einnehmen, den
der Dresdner Architekt Max Hans Kühne entworfen
hat. Die Firma reimann-Dresden mit ihren
Korbmöbeln und Frau Schmidt-Pecht aus Konstanz
mit ihren künstlerischen Töpfereien werden
mit zwei reizenden Veranden die Halle flankieren.
Der Mittelraum ist als Ruheraum gedacht und erhält
eine reiche Ausstattung durch Wand- und
Bodenteppiche der Vereinigten Deutschen Smyrna-
teppichfabriken Berlin. Hieran schließen sich etwa
15 der hervorragendsten Möbelfirmen aus allen
Teilen Deutschlands an. Weiter werden die Weimarischen
Kunstindustriellen (angeordnet von van
de Velde) auftreten. Die sächsische Textilindustrie
wird durch die Hauptfirmen vertreten sein. Die
Pforzheimer Gold- und Silberindustrie wird korporativ
ausstellen, nicht minder das gesamte Kölner
Kunstgewerbe, sowie die Gußeisen-, Messing- und
Bronze - Industrie aus Berlin, Norden, Dresden,
Schlesien usw. Eine Anzahl Firmen werden eigene
Gebäude im Park aufstellen, die Delmenhorster
Linoleumwerke ein Haus nach Entwurf von Professor
Peter Behrens in Düsseldorf.
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