Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 14. Band.1906
Seite: 179
(PDF, 133 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_14_1906/0190
/ Und die ofcßrifl, was wir ßeute fo nennen, die fJfandfcßrifi, Tederfcßrifi,
was ißfie eigenfficß von fffaus aus? cJRan müßte ein dickes föucß
fcßreiben, wofffe man einigermaßen über die kompfizierte Tfycße der cfcßrift
unferricßfen. <Ss wird für unfere Zwecke genügen, ficß zu vergegenwärtigen,
daß die fjfandfcßrifi fieis das 'Beßreben geßabf ßaf, auf die ^ype, die ja aus
ißr abgefeitef iß, einzuwirken. Q5ie ^Üype ßaf etwas cffarres, öefefymäßiges,
verßäffficß zur beweg ficßen, individuefferen fjfandjcßrifi, wie die tfJlonumenfen*
fcßrift der Römer zu der flücßtig ßufcßenden fyJacßsfafefkurfive. On der ^ype
— wir denken dabei immer an die übficße ^Druckfcßrift — ßeßen die Bucß-
ßaben in ßinie nebeneinander, marfcßieren in Reißen ßintereinander, in der
fjfandfcßrift geßen fie zum bewegten Reigen über. <Ss ßeckf etwas <7Kufika=
ßfcßes darin, etwas wie öefang, ßyrik. fJfat man je den Reiz empfunden,
den ein 5edicßf, in der (Riederfcßriß des Dicßters fefber gefefen, gewäßrf?
Dramen, Gpen, Romane in fJfandfcßrifi zu fefen, geßt wider unfere Neigung,
fjßer ßandeff es ficß für das Auge fcßon meßr um eine Arbeit, die man
erfeicßferf feßen wiff dureß föeobacßfung der üb ficßen (Verkeßrsfitten. Aber
bei Qedicßten, die ein gefcßmackvoffer 'TRenfcß nicßf bändeweife verfcßfingf,
die er genießt, wie man an einer duftenden 'Bfume riecßt, bei einem öedicßt
verßäft es ficß ganz anders. fjßer bei der individueffßen Qeißesäußerung
verfangen wir aucß eine individueffere Torrn der äußeren clRitfeifung. (Sine
indiv/dueffe 'Üype — man beacßfe den eigentümficßen ^Widerjprucß in diefen
zwei Korten — eine (üype, die ßandfcßrifi'ficßen Cßarakfer ßaf, eine fKurfiv*
'üype, erfcßeint ßier erwünfcßt und angebracßf. <S>
Tür derartig individueff gefärbten 'Werkdruck, dann namenfficß für
Akzidenzen, die ja an ficß individueflerer Tiatur find, ßaf uns eigenfficß eine
gute fKurfive gefeßft. £fn Wieynks aTcßrift fiegf fie jetzt vor. ^IRan muß
dem fKünßfer, der fie entwarf, und der föauerfcßen Gießerei, die fie goß, <Dank
fagen für das fcßöne 5efcßenk, das fie uns gemacßt ßaben. Q3er Zeicßner
fagf in der Ginfeitung des äußerß vorneßm wirkenden Trobeßeftes, daß er die
Anregung für feine Arbeit namenfficß in den fJCupferßicßfcßrifien des aus-
geßenden 78. flaßrßunderts gefunden ßabe. Aber es ßandeff ficß natürficß
nicßf um eine bfoße (Racßbifdung — das verböte ja fcßon die (üecßnik — aucß
nicßf bfoß um eine getreue üfeberfefyung der ßandfcßrifi ficßen Züge in die
^ypenfpracße, fondern — und das iß das Ausfcßfaggebende für eine aner=
kennende ßCrifik — um eine durcßaus fefbßändige, von modernem (Smpfinden
befeeffe ßeißung. fjfier und da ßaf die fjfand den ßockungen der äffen
ofcßriffen nicßf widerßanden, ßaf mancßen überftüffigen ofcßnörkef gezogen,
fo befonders in der zweiten, reicßeren, woßf meßr für Akzidenzfaij gedacßfen,
Tofge der 'Verfafien, die der bizarreren Öefcßwißerreiße an Wirkung enffcßieden
überfegen iß. <Docß das find kfeinere Ausßeffungen, die uns die Treude am

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