Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 14. Band.1906
Seite: 200
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FORTSCHRITTLICHES UNTERRICHTSWESEN IN ÖSTERREICH

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C. F. A. VOYSEY

ZIERSCHRIFT

FORTSCHRITTLICHES UNTERRICHTSWESEN IN OSTERREICH

Die Frage: „Wie wird der Zeichenunterricht
erteilt, um ihn zu einem Erziehungsmittel
ersten Ranges zu erheben?", ist seit
einigen Jahren überall, wo man klaren Blickes
das unumgänglich notwendige Verlassen der
bisher eingehaltenen Maximen erkannt hat,
zum Gegenstande eingehender Untersuchungen
gemacht worden. Man sieht den Entwicklungsgang
aller derjenigen, die durch
zeichnerischen Ausdruck bestimmten Anschauungen
Form zu geben gezwungen sind,
— das sind so ziemlich dreiviertel aller Arbeitenden
nach Abzug der Theologen, Philologen
und Juristen •— endlich von Gesichtspunkten
aus an, die der Wichtigkeit der Sache
entsprechen und sie nicht auch fernerhin als
ein „Nebenfach" erscheinen lassen. Lange
genug hat es freilich gebraucht, bis diese
Ueberzeugung sich Bahn brach. Am renitentesten
verhalten sich natürlich alle jene dagegen
, die das Heil der Zukunft noch immer
in der ausgiebigsten Pflege fremdsprachlicher
Studien, sei es auch auf Kosten dringend
notwendiger Dinge, ja selbst auf Kosten der
Kenntnis der eigenen Sprache, erblicken.
Offenbar sind nur einzelne auf dem Gebiete
des Schulwesens Tätige mit wahrem Verständnis
für die Erkenntnis zeitgemäßer

Forderungen begabt. Den Meisten steht das
„erprobte Schema" höher.

Die in Abständen von vier Jahren stattfindenden
„internationalen Kongresse zur
Hebung des Zeichenunterrichtes", von denen
der letzte 1904 in Bern tagte, und deren
nächster 1908 in London vor sich gehen wird,
haben Anregungen der mannigfachsten Art
in alle Welt hinausgetragen, war doch bisher
„alle Welt" auf diesen immer äußerst stark
besuchten Zusammenkünften vertreten, um
durch Vorträge in deutscher, englischer und
französischer Sprache, durch Ausstellung von
Schülerarbeiten nach verschiedenen Lehrgängen
und durch Vorführung von Projektionsbildern
Anregung nach allen Kulturländern
hinauszutragen. Man sollte es kaum für möglich
halten, daß an vereinzelten Orten immer
noch an der mit Recht in Mißkredit geratenen
„Vorlage" festgehalten wird; dennoch ist es
der Fall, weil manchenorts die Bestimmung
solcher Angelegenheiten Sache von Männern
ist, denen es an der nach dieser Seite hin
nötigen Bildung und Einsicht fehlt. Das ist
nicht bloß in Rußland der Fall, wo man bekanntermaßen
den pensionierten „General"
für fähig hält, als dirigierender Vorstand einer
Hebammenschule ebenso wissend zu sein, wie

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