http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_14_1906/0237
arch. max hans kohne dresden
Unternehmen ist die Kunstgewerbeausstellung
, die am 12. Mai in Dresden eröffnet
werden soll.
Seit Anfang des Jahres kennt man ihr
Plakat: die schlanke Frau mit den träumerisch
fragenden Blicken, die im langsamen
Vorwärtsgleiten über die blanke Fläche so
sorgsam das blütenschwere Bäumlein der
jungen Kunst in den feinen Händen trägt
(Abb. S.225). Sein Schöpfer, OttoGussmann,
hat der Erscheinung ein farbiges Gewand von
vornehm gedämpften Tönen gegeben, und doch
prägt sich die goldige Gestalt auf dem scwärz-
lichen Grunde dem Gedächtnis fest ein, so
villa in bern mit grundrissen (vgl. seite 226)
leise man auch anfangs in dem Farbenlärm
der Anschlagsäulen ihre Stimme vernehmen
mag. — Fast zwei Jahre steht das kunstgewerbliche
Leben an der Elbe unter dem Zeichen
der Ausstellung. Das bedeutet, daß die Arbeit
, die von den Künstlern auf diesem Gebiete
sonst geleistet wird, verdoppelt und
verdreifacht werden mußte. Denn neben der
Organisation des ungeheuren und wenig gegliederten
Komplexes, den Kunsthandwerk
und -Industrie auf deutschem Boden bilden,
ging das eigene Schaffen her. Und es wurde
als selbstverständlich angesehen, daß die Leistungen
der Dresdner selbst, wie sie wenigstens
in der wichtigsten
Abteilung, der Raumkunst
, getrennt von den
anderen in einem eignen
Hause auftreten sollen,
nach Umfang und Bedeutung
den hohen Ehrgeiz
, den das ganze Unternehmen
bekundet,
rechtfertigen müssen.
Die beispiellose Harmonie
, in der Künstler
, Gewerke, Kunstgelehrte
, Vertreter der
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