Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 14. Band.1906
Seite: 250
(PDF, 133 MB)
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Mechanismen, geisttötende Automaten —
alles Dinge, die sich ihrer unsoliden Mache
halber ebenso schnell abnutzten, wie sie,
lieblos erfunden und ausgeführt, das Kind
bald ermüdeten und abstumpften. Wir beobachten
, wie sich ein Kind mit einem
primitiven Gegenstand, einem Stück Holz,

OSWIN HEMPEL BÜFETT AUS BIRKENHOLZ

AUSGEFÜHRT VON DEN DRESDENER WERKSTÄTTEN FÜR HANDWERKSKUNST

Stein, Fadenknäuel stundenlang unterhält. Da
kann seine Einbildungskraft frei schalten; sie
ersetzt die fehlende Wirklichkeit frischweg
durch ein luftig-buntes Gebilde, das Freude
und Schmerz, Mitleid und Zorn, Liebe und
Haß erregen kann — wie das Leben selbst.
Das Spiel, eine Tätigkeit, bei der die Keime
des Bewußten im Menschen erwachen, müßig

zu nennen, ist eine Sünde wider den heiligen
Geist der Kindesseele.

Das Spielzeug, wie es die Brüder Klein-
hempel erfinden, und dessen neueste Proben
die Abbildungen auf Seite 263 bringen, will
nicht realistisch genau die Einzelerscheinungen
der Natur ins Kleine übertragen. Der Stilismus
seiner Formen läßt die
individuellen und zufälligen
Eigenschaften des einzelnen
Gebildes zugunsten der allgemeinen
Linien, der charakteristischen
Farben fallen
. Genügen ja die krausen
Charaktere, in denen das
Kind selbst beim ersten
Male die Wirklichkeit abmalt
, dem naiven Künstler
durchaus, als Symbole
gleichsam der wirklichen Erscheinungswelt
. Die Künstler
des Bilderbuches haben
zuerst gelernt, daß Halbtöne
, Schattierungen, allerhand
subtile Farbennuancen
dem Kinde wegen mangelnder
Erfahrung seiner Sinne
nichts sagen; sie hindern
es nur am Erkennen dessen,
worauf es ankommt. All
das gilt ebensogut für das
Spielzeug. Die mit allem
Raffinement der Toilettenkunst
ausstaffierten Kleiderpuppen
mit ihrem „Mama"-
und „Papa"-Gequiek, die mit
wirklichem Fell überzogenen
Schaukelpferde — sie werden
die wahre, von Phantasie
und Schaffenslust beflügelte
Spielstimmung bald
verscheuchen. Denn ihnen
fehlt auch das, was das Kind
tausendfach bei seinen ersten
Schritten in die Welt
entdeckt: die goldne Himmelsgabe
Humor. Wo eine
Gebärde übertrieben wird,
wo etwas die Erwartung
heiter täuscht, wo zwei
selbstverständliche Dinge überraschend verwechselt
werden, wo ein Gegensatz zwischen
Gewolltem und Erreichtem stark ins
Auge springt, da sprudelt sein klarer Quell
empor. Und auf seinen Wellen schwimmt
dann das Schifflein Phantasie hinaus ins
Märchenreich, von dem die Dichter erzählen
....


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